11 Musikvideos, die in Köln spielen

© Screenshot via Youtube

Gut, in Kölle am Rhing haben nie Iggy & Bowie gelebt, niemand besingt Landungsbrücken oder die Reeperbahn nachts um halb eins, Palmen aus Plastik gibt es genauso wenig wie – was hat noch mal München? Dennoch: Neben all den Höhnern, BAPs, Brings' und sonstigen kölschen Frohnaturen gibt es eine ganze Reihe KünstlerInnen, die ihrer Stadt in Ton und Bild huldigen – eine garantiert Podolski-freie Liste.

1. Malt Dizney - Kein Schlaf bis Kalk (2016)

Mike D, Ad-Rock und MCA fanden in den 80ern keinen Schlaf bis Brooklyn, der Kölner-Indieheld ("Indiepedia"-Prädikat) Linus Volkmann gar bis Langensebold nicht – und das muss definitiv weit draußen von Wo-auch-immer sein, klingt es doch wie die nichts Gutes verheißende Endhaltestelle einer Buslinie. Und Malt Dizney? Nicht mit dem Bus, sondern mit den Linien 1 und 9 nimmt der euch mit in den Schäl Sick Underground – wenn er nicht gerade die "Kalker Hauptstraße" mit seinen Homies auscheckt. Ob er dort schon mal auf den im Veedel aufgewachsenen Eko Fresh getroffen ist, bleibt unbekannt – Tom Gerhard jedenfalls will er schon mal die Hand geschüttelt haben. Köln Kalkverbot? Et hätt noch emmer joot jejange!

2. Eko Fresh - Nur für dich (Liebeslied für Frauke) (2016)

Apropo Eko: Köln und Eko gehören bereits seit 1983 zusammen. Dass der gebürtige Domstädter zeitweise in der grün-weißen Stadt am Niederrhein aufwuchs – vergeben und vergessen. Zwar hat der deutschtürkische Rapper mit "Ehrenmord Köln Kalk" gar einen Track, der sein Veedel im Namen trägt, das Video spielt allerdings im Mittelmeerraum. Und auch "Domplatten Massaker" schien mir nicht wirklich geeignet in diese Liste hier aufgenommen zu werden – aus Gründen. Dann machte mich ein Freund auf diese Nummer aufmerksam: Eko und  Döner an der Trimbornstraße, vor den Kranhäusern, auf dem Herbstvolkfest Deutz mit einem Liebeslied an Frauke P. – aber von wem ist noch mal die Bassline?

3. Erdmöbel & Judith Holofernes - Hoffnungsmaschine (2017)

„Weihnachten ist mir doch egal“, eine deutsche Version von Wham!s „Last Christmas“, bildete vor mehr als zehn Jahren den Startpunkt der Reihe. Seitdem bringen Erdmöbel jährlich einen neuen, ganz speziellen Weihnachtssongs heraus,  zuletzt mit  Gastsängerin Judith Holofernes. Auch dieses Mal riefen sie wieder Fans, Freunde und Interessierte auf, beim dazugehörigen Videodreh mitzumachen.  Zur aktuellen Ausgabe des Weihnachtssongs traf man sich auf dem Platz, der in Köln so berüchtigt ist wie der Alex in Berlin – sofern man Presse- und Lokalpolitikern glauben kann: dem Ebertplatz.

4. Fortuna Ehrenfeld - Matrosen (2016)

Multiinstrumentalist Martin Bechler macht als Fortuna Ehrenfeld "Popmusik für Erwachsene", schreibt das Label. Ob sein Gruß "an euch Matrosen" auch an deren MitarbeiterInnen gerichtet ist? Denkbar wär's – die Plattenfirma heißt Grand Hotel van Cleef, sitzt in Hamburg und hat unter anderem auch Tomtes "In Köln und dann in meinem Zimmer" herausgebracht – dazu gibt es allerdings kein Video. Schade, zu gerne hätte man doch verwackelte Camcorder-Aufnahmen aus Thees Ulmanns Kölner Studentenbude gesehen, in der dieser in den 90ern lebte. Dafür gibt es hier ganz viel Ehrenfeld. Und dort gab es auf dem Heliosturm ja immerhin auch mal ein Leuchtfeuer – fast wie an der Küste.

5. Klee - Nicht immer aber jetzt (2003)

Blast from the past:  Zu Zeiten von AOL, ICQ Messenger und Bulletinboards – also weit vor Zuckerberg, Instagram und Snapchat und damit lange bevor du mit "Live Life For The Moment"-Kalendersprüche dein Streben nach dem hedonistisch ausgekosteten Moment in visuelle Statements umwandeln und digital verbreiten konntest – sang sich Klee-Sängerin Suzie Kerstgens durch Clubs, Kneipen und Kaschemmen an der Luxemburger. Zu hören: Ein Ohrwurm, der sich auch anno 2018 noch gut beim rituellen freitäglichen Vorglühen deiner Clique kurz vor dem Abflug zur Indisco machen würde. In diesem Sinne: "Ich tanze, nein nicht immer aber jetzt. Ich trinke, nein nicht immer aber jetzt. Ich lass mich gehen, nein nicht immer aber jetzt. Die Zeit bleibt stehn, nein nicht immer aber jetzt."

6. David Hasert & Matteo Luis - Watermelon (2015)

Gründer und Betreiber des Like-Plattenlabels, Booker, DJ, Produzent: David Hasert und seine Like-Posse sind aus der elektronischen Musikszene Kölns schon lange nicht mehr wegzudenken. Das Video zu seinem Track mit Kumpel und Label-Mate Matteo Luis spielt in dem Club, zu dem Hasert als Resident- und Booker von Natur aus eine enge Verbindung hat und dessen namensgebender Fabel sich einst schon Goethe widmete: Reineke Fuchs. Und, muss noch jemand beim Anblick eines Protagonisten an das Berliner-Feierurgestein Komet Bernhard denken? Woher das wohl kommt.  Auch dabei:  Björn Grimm und Kennt-man-in-Köln-Typ Matteo van der Hell.

7. VIMES - Ential (2014)

Azhar Syed und Julian Stetter sind längst über ihre Stadt und den Geheimtippstatus hinausgewachsen. Im Clip zu "Entia" allerdings lässt das Pop-Duo die Protagonistin durch die urbane Kulisse von Köln-Chorweiler tanzen.  Mit der Leichtigkeit der Tänzerin dürften sich die meisten Bewohner des gebeutelten Stadtteils im Nordwesten sonst kaum durchs Leben bewegen – zu wünschen sei ihnen das.

8. Klangfarbe Antifeind - Ehrenfeld (2012)

Lange nichts mehr Neues von dem Bootshaus- und Beats X Bass X Cologne - Resident gehört, aber das kann auch an mir liegen. 2013 lernte ich bei einem seiner Sets meine Frau kennen, der Track hier lief bei uns rauf und runter. Warum? Hört selbst. "Die Industrievorstadt am Bahndamm" heißt der Dokumentationsausschnitt, der den maschinell stampfenden Technotrack hier unterlegt. 4711 Hochhaus, Helios-Gelände, Bahnhof, Venloer und mehr. Irrefeld aus der Vogelperpektive der 70er.

9. Veedel Kaztro - 86 Veedel (2015)

Zehn Punkte schon mal für den Namen. Legendäre "Büdchentape"-Reihe, auch einige Videos die mit Kölle-Referenzen aufwarten können. Doch so umfassend wie in der Hymne "86 Veedel" huldigt der Rapper seiner Stadt nirgends.  Rath, Heumar, Vingst – Stadtteile, die man außerhalb der Region kaum gehört haben dürfte. Es muss ja nicht immer Ehrenfeld sein.

10. Big Ballermike & Gianni La Bamba - Wat sul dä Quatsch? (2014)

Ein Bodybuilder der 80er Jahre, der Italo Disco mit kölschen Texten mischt?! Klingt nicht nur weird – ist es auch. Im besten Sinne versteht sich. Kann man sich weder ausdenken, noch nachmachen. Passt zu allen Jahreszeiten – nicht nur der Fünften.

11. Jan Delay - Ich möchte nicht, dass ihr meine Lieder singt (2001)

De Zoch kütt: 2001 war Viva II noch nicht tot, Boris Becker schon drin und Jan Delay verblüfte einen noch auf eine angenehme Art und Weise. Singend und tanzend versuchte er in der rheinischen Metropole seine Systemkritik unters Volk zu bringen -  der Nutzen darf zwar bezweifelt werden, immerhin aber kam Izi Eiz so zu Karnevalsumzug, Brauhausbesuch und durfte sein Pallituch tragen, ohne in der Klasse der Außenseiter zu sein.

Autor Kevin Goonewardena ist Kölner im Exil. Das Rheinland ist seine Heimat, hier ist er aufgewachsen. Inzwischen lebt er in Hamburg, wo er ebenfalls für Mit Vergnügen schreibt. Für uns hat er die Musikszene nach kölschen Videoclip-Perlen durchforstet.

Weiterlesen in Stadt
Sags deinen Freunden: