Ist das Hallmackenreuther bald zurück? Warum mir das Kultlokal so fehlt

© Michelle Weyers

Monatelang prangte ein ominöses Schild an der Scheibe des Hallmackenreuther, die Aufschrift: „Wiedereröffnung im Herbst – dann auch wieder mit Apfelpfannkuchen und vielem, was ihr in der letzten Zeit vermisst habt.“ Irgendwann war dann Herbst, das Laub lag längst auf dem Boden und doch blieben die Türen des Hallmackenreuther verschlossen und der Blick ins Lokal durch dunkle Vorhänge versperrt.

Also werfen wir einen Blick zurück: Eröffnet wurde das Hallmackenreuther am Brüsseler Platz 1990 von Stefan Kriegeskorte. Manch einer kennt ihn vielleicht unter dem Namen Steve Borg. Der mittlerweile 68-Jährige war unter diesem Namen nämlich von 1980 bis 1996 Bassist bei der kölschen Band BAP. Und anscheinend war er noch dazu ein großer Loriot-Fan. Zumindest so sehr, dass er sein Lokal nach einem Charakter aus dem Loriot-Sketch „Der Bettenkauf“ benannte – oder genauer: nach dem Betten-Verkäufer Hallmackenreuther. Tatsächlich war der echte Hallmackenreuther, Schauspieler Edgar Hoppe, auch schon mal zu Gast im Lokal am Brüsseler Platz. Ebenso wie der Vater der Lindenstraße, Hans W. Geißendörfer; Wim Wenders, Elke Heidenreich und Mariele Millowitsch. Die beiden Letzteren sollen sogar mal einen Loriot-Stammtisch im Café gehabt haben.

Zwischen Kultlokal und Schaulaufen

Von der Prominenz mal abgesehen, war das Publikum im Hallmackenreuther immer ein ziemlich gemischtes. Wobei viele davon schon schwer nach "Typ Künstler" aussahen. Böse Zungen würden vermutlich behaupten, der Laden und sein Publikum seien etwas prätentiös gewesen. Oder wie eine Yelp-Nutzerin es auszudrücken pflegte: Das Publikum ist "so 'Es-hängt-mir-schon-ausm-Hal-raus'-szenig und intellektuell […], dass mir Schauer über den Rücken laufen." Ich habe zustimmend genickt und gelacht.

Trotz, oder gerade wegen des „Sehen und Gesehenwerden“, ist das Hallmackenreuther ein Kultlokal, zumindest war es das in den 90er und 00er Jahren. Eine angenehme Kombination aus Café, Kneipe, Club und Restaurant. Im Keller fanden regelmäßig Partys statt. Den oberen Teil des Lokals konnte man auch für private Feiern mieten. Das Vintage-Mobiliar schaffte eine elegante und zugleich gemütliche Atmosphäre. Hier war Platz für Kaffeekränzchen, Kölsch und Kultur. Der Treffpunkt der Kunst- und Musikszene.

Ominöse Facebook-Posts nach der Schließung

Man sagt, das Hallmackenreuther habe den Brüsseler Platz zu dem gemacht, was er heute ist. Oder bis vor Kurzem noch war. Denn Ende November 2017 blieb das Café plötzlich verschlossen. Was genau damals passiert ist, können vermutlich nur die Beteiligten sagen. Medien berichteten, dass Stefan Kriegeskorte nachts die Schlösser des Lokals ausgetauscht habe, ohne jegliche Absprache mit den Pächtern und Betreibern.

Darauf folgten im Dezember einige Facebook-Posts von – ja von wem eigentlich? Das war lange nicht klar. Inzwischen weiß man, dass Sahand Hagi, der zuletzt als Geschäftsführer an Bord geholt wurde, hinter den Posts steckt. Er beschuldigte Kriegeskorte und die Hausverwaltung, sie hätten Schulden und es sei ihr Plan, „das Hallmackenreuther kaputt zu klagen“. Der Streit landete schließlich vor Gericht. Sahand versuchte auf Facebook trotzdem weiterhin, Stimmung gegen Kriegeskorte und Co. zu machen. Zuletzt startete er im November sogar einen Spendenaufruf – und erntete kräftig Gegenwind.

Sieht so aus, als habe der Dornröschenschlaf bald ein Ende

Die Schlammschlacht und die Schließung des Hallmackenreuther stimmt traurig und wehmütig. Zumindest geht es mir so. Zwar habe ich als Kind der Neunziger die goldenen Zeiten des Hallmackenreuther selbst nicht miterlebt, doch beim Anblick der verschlossenen Türen packt auch mich immer ein bisschen Nostalgie. Und das nicht etwa, weil ich hier jeden Abend verbracht hätte. Es ist viel mehr das Gefühl, das ich mit diesem Ort verbinde.

Der Anblick der ermatteten Leuchtreklame erinnert mich an halbstarke Nachmittage, die zu Abenden und Nächten wurden. Als meine Freunde und ich stundenlang an den Tischtennisplatten saßen, Karten spielten und manchmal auch unsere Herzen ausschütteten. Da strahlte das Hallmackenreuther mit seinen bunten Leuchtkugeln im Beet vor sich hin und war einfach immer da. Bot uns Zuflucht, als der Durst mal wieder größer war als die Blase. Und diente später als Ass im Ärmel für erste Dates, Lernpausen mit Kaffee und Bierchen am Wochenende.

Inzwischen gibt es einen Lichtblick: Die Vorhänge im Hallmackenreuther sind Klebefolie gewichen, das Schild wurde ausgewechselt. „Die Eröffnung rückt näher“ steht da, es wird Personal gesucht. Zudem zeigt eine neue Facebook-Seite, dass es offenbar tatsächlich Fortschritte gibt. Sieht so aus, als habe der Dornröschenschlaf bald doch ein Ende. Endlich. Zu hoffen ist es!

© Michelle Weyers
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