Warum ich süchtig nach den neuen E-Scootern bin

© Marek Rucinski | Unsplash

Ja, ich weiß, E-Scooter haben eine viel zu kurze Lebensdauer, sie sind teuer, gefährlich und sowieso sieht man auf den Dingern aus wie der uncoolste Depp aller Zeiten, der zu faul fürs Fahrrad und höchstwahrscheinlich sogar auch für die Bahn ist. Die Liste der Nachteile, die die elektronischen Roller mit sich bringen, ist lang. Und wenn man all das hört, fragt man sich doch ernsthaft, was man an den Teilen, die aus dem Nu auftauchten und das Stadtbild über Nacht völlig veränderten, auch nur ansatzweise gut heißen kann.

Dennoch muss ich mich an dieser Stelle outen: Ich gehöre zu den Personen, die E-Scooter ziemlich gut finden. Ja, ich bin ein Fan, ein E-Scooter-Fan. Und damit stehe ich in meinem Freundeskreis nicht alleine da. Die smarten Roller sind nämlich ganz schön praktisch: Anders als bei Leihfahrrädern stehen E-Scooter tatsächlich an jeder Ecke rum. Kein langes Suchen, keine ewige Zeitverschwendung. Vor allem, wenn man sich bei allen drei Anbietern, die bisher in Köln verfügbar sind, registriert, ist die Dichte an möglichen, freien Scootern noch größer. Circ, Lime und Tier – bei den beiden letzteren Anbietern ist sogar eine Paypal-Zahlung möglich, was die Sache natürlich noch unkomplizierter macht. Die Bedienung checkt man nach wenigen Sekunden und im Nu hat man den Roller entsperrt.

Hat man einmal mit dem Scootern angefangen, überlegt man sich bei jedem noch so kleinen Weg, ob man anstelle des eigenen Fahrrads, nicht doch lieber zum Scooter greift

Ein weiterer Vorteil ist, dass man – anders als nach einer Fahrt dem Fahrrad – nicht total verschwitzt irgendwo ankommt. Gerade im Sommer kann der Fahrtwind ganz schön angenehm sein. Zudem macht es einfach einen Heidenspaß, mit den Rollern rumzucruisen – es ist so schön unkompliziert und man ist verdammt schnell unterwegs. Ist man mal zu spät dran, schnappt man sich einfach einen Scooti und ist im Nullkommanichts da, so kommt es einem zumindest vor.

Einziges Problem an der Sache: Fährt man öfter mit den Scootern, geht das ganz schön aufs Geld – von der Südstadt bis ins Agnesviertel zahlt man beispielsweise locker vier Euro. Das klingt erstmal nicht viel, aber wenn man nach so einem Scooter-Wochenende mal sein Paypal-Konto checkt, kommt da einiges zusammen. Hat man einmal mit dem Scootern angefangen, überlegt man sich bei jedem noch so kleinen Weg, ob man anstelle des eigenen Fahrrads, nicht doch lieber zum Scooter greift – es ist schließlich so schön easy und wie der Zufall es so will, steht schon wieder einer direkt vor der eigenen Haustür. Man kann quasi von Tür zu Tür fahren – es sei denn, das Ziel befindet sich einem der rotmarkierten Bereiche, in denen man die Scooter nicht abstellen darf. Dann muss man wohl oder übel noch ein Stückchen laufen.

Selbstverständlich geht es gar nicht, die Roller einfach quer auf dem Gehweg abzustellen, ins nächste Gebüsch oder sogar in den Rhein zu werfen. Das ist einfach nur nervig und löst noch mehr Abneigung bei den E-Scooter-Gegnern aus. Um genau das zu meiden, sollte sich jeder die Zeit nehmen, die Roller vernünftig zu parken – auch wenn das nun mal ein paar Meter vom Ziel entfernt ist.

Doch so sehr mein Herz auch für die kleinen Flitzer schlägt, bin ich der Meinung, dass ich meine Sucht – und ihr vielleicht auch eure – zügeln muss.

Die ersten Anbieter spielen bereits mit dem Gedanken, ein monatliches Abo einzuführen. Gerade erst wurde bekannt, dass der Versandhändler Otto deutschlandweit in den E-Scooter-Markt einsteigt: Spätestens ab Ende August kann man für 39 Euro ein Abo mit Otto Now abschließen und sich einen Scooter für einen Monat lang mieten. Das Gute: Die Scooter sind noch nicht mal an den Standort gebunden, das heißt man kann ihn sogar deutschlandweit mitnehmen. Und preislich geht das sogar auch – rechnet man den Betrag mal runter, reden wir von 1,30 Euro am Tag, das ist circa die Hälfte von einem KVB-Abo.

Als ich das erfahren habe, leuchteten meine Augen „Wow, ein Scooti-Abo, hammer!“. Doch so sehr mein Herz auch für die kleinen Flitzer schlägt, bin ich der Meinung, dass ich meine Sucht – und ihr vielleicht auch eure – zügeln muss. Denn wenn man, anstelle des Fahrrads, permanent zum E-Scooter greift, ist die umweltfreundliche Transport-Alternative keineswegs mehr nachhaltig. Schließlich war das Ziel der Scooter-Einführung, im Tausch gegen den Roller, tatsächlich das Auto stehen zu lassen – und eben nicht das Fahrrad. Und betrachtet man die kurze Lebensdauer der Roller, entsteht dadurch auch eine ganze Menge Plastik- und Elektromüll.

Gar nicht mal so cool – nichtsdestotrotz ändert das nichts an der Tatsache, dass die Scooter-Fahrerei einfach extrem Spaß macht und ich nicht komplett darauf verzichten mag. Genau deshalb betrachte ich das E-Scooter-Fahren jetzt als einen kleinen Luxus, den ich mir eben hin und wieder gönne. Und um meine Sucht ein wenig runterzuschrauben, zwinge ich mich dazu, mir selbst die Frage zu stellen, ob es jetzt wirklich nötig ist, mit dem E-Scooter zu fahren – aber hin und wieder muss eben nun mal sein.

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