Boxen wie ein Weltmeister im G.I. Sports in Kalk

© Pascal Mühle

In Köln Kalk findet sich ein kleines Kampfsportstudio. Coach Garip Ilbay trainiert dort seinen Sohn Deniz für einen Box-Weltmeistertitel, macht Sportbegeisterte fit und hilft gestrauchelten Jugendlichen zurück auf den geraden Weg.

Zur Trainingszeit ist im Kampfsportstudio „G.I. Sports“ in jeder Ecke was los. Eine Studentin und drei Nachwuchsboxer haben sich zum Zirkeltraining mit Seilspringen, Medizinbällen, Hantelstange und Schattenboxen zusammengeschlossen, um sich aufzuwärmen. Danach bearbeiten sie Boxsäcke mit Hieben und Tritten. Zwei Zehnjährige wechseln zwischen Trimmrädern, Boxsäcken und Tischtennisplatte hin und her. Im Laufe des Abends füllt sich die Luft im Kampfstudio mit Schweiß. Immer wieder schauen alle gebannt in den Boxring, der in der Mitte der Halle steht. Dort scheppern die Schläge besonders hart, besonders schnell hintereinander in die Schutzpolster des Trainers. Profiboxer Deniz Ilbay trainiert mit seinem Vater Garip Ilbay, Namensgeber und Eigentümer des „G.I.Sports“.

Einige der besten Boxer aller Zeiten wurden von ihren Vätern trainiert.

Coach Garip, so wird er respektvoll von den Mitgliedern des Studios angesprochen, hat seine Sparrings-Ausrüstung an: rote, gepolsterte Pratzen, die die Hände schützen, ein roter Oberkörperschutz, den der goldene Schriftzug „Grandpa Garip“ ziert, denn Deniz Ilbay ist frisch gebackener Papa. Neben seinen neuen, familiären Aufgaben bereitet sich der Sportler schon auf seinen nächsten Boxkampf vor. Der 25-Jährige hat ein festes Ziel vor Augen: den Senioren-Weltmeistertitel von einem der großen Weltverbände in Deniz‘ Gewichtsklasse, dem Weltergewicht. Bei den Junioren war Deniz schon ausgesprochen erfolgreich. Im Eingangsbereich des G.I. Sports stehen zwei Vitrinen, gefüllt mit seinen Weltmeistertiteln und dem Titel ‚Deutscher Meister‘. Die Erfolge hat Deniz Ilbay nicht zuletzt Garip zu verdanken. „Mein Vater ist auf jeden Fall strenger zu mir als normale Trainer“, sagt Deniz. „Aber genau das brauche ich auch. Einige der besten Boxer aller Zeiten wurden von ihren Vätern trainiert“.

© Thomas Schildmann

Deniz‘ nächster Gegner wird größer sein als Coach Garip – also hat sich der erfahrene Trainer etwas für das Sparring einfallen lassen. Garip trägt Schuhe, unter die er Styropor-Blöcke gebunden hat, um die fehlenden Zentimeter auszugleichen. Das ganze Studio ist im Selfmade-Stil zusammengebaut: vom gepolsterten Boden über ein Rohr als Klimmzugstange bis hin zum Ring, der zum Teil aus Europaletten gebaut ist. Knapp 17 Jahre betreibt Garip Ilbay nun das G.I. Sports, seit einigen Jahren in der Kalker Taunusstraße. Er ist ein Kampfsport-Allrounder und hat Trainerlizenzen unter anderem für Kickboxen, Thaiboxen und Boxen. Dazu ist er Sport-Masseur und Cutman. Falls einer seiner Schützlinge beim Kampf eine Platzwunde bekommt, flickt Garip diese also selbst wieder zusammen.   

Manchmal brauchen die Kids einfach nur einen Ort, wo sie etwas Sinnvolles machen können, anstatt draußen Scheiße zu bauen.

Das G.I. Sports entwickelte sich zu einer wichtigen Anlaufstelle im Viertel. Garip Ilbay legt viel Wert auf soziales Engagement. Seit knapp zehn Jahren kooperiert das Studio mit dem gemeinnützigen Verein „Die Brücke“ aus Köln. Der kümmert sich um die Resozialisierung von straffällig gewordenen Jugendlichen und Heranwachsenden zwischen 14 und 20 Jahren. Die können ihre Sozialstunden zum Beispiel im G.I. Sports ableisten, indem sie dort putzen, Staub wischen und die Trainingsgeräte aufräumen. „Manchmal brauchen die Kids einfach nur einen Ort, wo sie etwas Sinnvolles machen können, anstatt draußen Scheiße zu bauen“, sagt Garip Ilbay. Wenn sich die Jugendlichen gut anstellen und nach getaner Arbeit noch Zeit haben, dürfen sie auch mittrainieren. „Immer wieder bleibt auch mal jemand nach dem Ableisten der Sozialstunden bei uns und entdeckt den Kampfsport als Ausgleich für sich“, freut sich Garip. 

© Pascal Mühle

Im G.I. Sports steht der Respekt untereinander an oberster Stelle. Was der Coach sagt, ist Gesetz. „Wenn ein Jugendlicher Kaugummi kauend ins Studio kommt, ohne zu grüßen, wird der wieder vor die Tür geschickt und muss nochmal ordentlich reinkommen“, erzählt Deniz Ilbay. Untereinander herrscht ein höflicher Umgangston. „Wenn wir merken, dass es mit einem potenziellen neuen Mitglied menschlich nicht wirklich harmoniert, dann lehnen wir eine Aufnahme auch schon einmal ab“, sagt Deniz. 

Im Studio wird viel gelacht, der Umgang miteinander ist familiär, zum Aufwärmen vor dem Training spielt der Coach schon einmal eine Runde Tischtennis mit. Es läuft Musik nach Wunsch, bei Problemen stehen sich alle mit Rat und Tat zur Seite. Auch das sorgt für eine besondere, sehr familiäre Atmosphäre im G.I. Sports. So schauen auch immer mal Kölner Prominente vorbei, wie zum Beispiel der Schauspieler und Schlagersänger Willi Herren oder der in Kalk lebende Rapper Eko Fresh. Wer in Köln auf der Suche nach einem kleinen Kampfsportstudio ist, kann einfach zu einem Training vorbeikommen. Egal, ob Hobby-Sportler zum fit werden oder Amateurboxer mit Ambitionen.

G.I. Sports | Taunusstraße 33, 51105 Köln | Mehr Info

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