Platz 4 in Sülz – Fine Dining für jedermann

© Christin Otto

Fine Dining ist nicht jedermanns Sache. Oder wie mein Freund zu sagen pflegt: „Wenn ich höre, dass die in der Küche mit Pinzette arbeiten, hab‘ ich keine Lust mehr.“ Würde ich ihm erzählen, dass die Köch*innen im Platz 4 nicht nur zur Pinzette greifen, sondern auch noch Oliven und Holunderblüten kandieren, wäre das wohl der Todesstoß für ein gemeinsames Dinner dort. Also behalte ich mein Herrschaftswissen vorerst für mich. Denn wenn ein Laden das Zeug hat, selbst Verfechter*innen der bodenständigen Küche für feinere Geschmackswelten zu begeistern, dann ist es dieser.

© Christin Otto
© Christin Otto

Das Platz 4 empfängt Gäste in stylisher, aber lockerer Atmosphäre – ohne glattgebügelte Tischdecken, ohne Besteckabfolge, ohne Chichi. Statt üppiger Kronleuchter zieren knallige Arbeiten des Künstler-Duos Gudrich & Leible die Wände des sonst minimalistisch gehaltenen Lokals.

Schlicht, aber edel – das beschreibt nicht nur den Look, sondern auch die Karte. Das fängt schon bei den Getränken an. Statt endloser Cocktailkarte setzt das Platz 4 auf ausgewählte Longdrinks, die das Suderman für das Restaurant kreiert hat. Spezialität des Hauses ist der Platz Spritz – eine unverschämt süffige Mischung aus Belsazar Dry, Malvenblüte und Sherry. Hinzugesellt sich eine tolle Weinauswahl und Bier, das man nicht überall bekommt – so wie das Zappes Pils und das Schreckenskammer Kölsch.

© Christin Otto

Kulinarisch werden Gäste abends mit kreativen Sharing-Dishes verwöhnt. Wer weiß, dass dabei Maximilian Schepp und Jeanette Bakic gemeinsame Sache in der Küche machen, der hat wahrscheinlich schon so eine Vorahnung, dass im Platz 4 kleine Geschmacksexplosionen auf den Tellern landen.

Geschäftsführerin Alisa, Küchenchef Max und Souschefin Jeannette © Platz 4

Und tatsächlich: Die Blumenkohlcrème ist geschmeidig-zart und findet in der Süße der Medjool-Dattel, der Säure der Salzzitrone und dem Crunch der Rauchmandel perfekte Spielpartner. Das Cevice vom Kabeljau ist erfrischend und köstlich, die Estragon Beurre blanc schmeichelt dem perfekt gegarten Fischfilet und „Quatsch mit Soße“ – ein cremiges Kartoffelpüree mit Veggie-Jus – ist eine sichere Bank in Sachen Beilagen-Mezze.

Ganz ohne Fleisch und Fisch kommen die Möhrchen und der Tomatensalat aus – und doch sind sie optisch wie geschmacklich eine echte Bombe. Wer tierische Produkte nicht vom eigenen Speiseplan verbannt hat, der wird am Rindstatar mit Zitronenschmand und Kaviar wahre Freude haben – das wird nämlich besonders neckisch im Kaviardöschen serviert.

© Carolin Franz
© Christin Otto

Wer satt werden will, sollte mindestens übrigens zwei bis drei Mezze bestellen – dann bleibt noch Platz für Dessert. Das lohnt sowieso, denn der Cheesecake mit weißer Schokolade sucht in Sachen Cremigkeit seinesgleichen und passt perfekt zur fruchtigen Frische der Erdbeeren.

Für alle, die immer noch Angst haben, der Laden könnte zu fancy-schmancy-teuer sein: Drei Mezze plus Nachtisch schlagen in etwa mit 40 Euro pro Person zu Buche – nichts, was man sich täglich gönnt, gemessen an der Qualität aber ein Schnäppchen. Schließlich sind nicht nur echte Küchenkünstler*innen am Werk – auch in Sachen Zutaten wird hier Bestes aus der Region verarbeitet.

© Carolin Franz

Das volle Verwöhnprogramm gibt es im Platz 4 aber nicht nur abends, sondern all day long. Morgens könnt ihr mit Smoothie-Bowls, pochierten Eiern mit Sauce béarnaise, Joghurt mit hausgemachtem Granola oder süßen Kleinigkeiten wie Croissants und Pain au chocolat in den Tag starten. Der passende Wachmacher dazu kommt – egal ob als Kaffee, Cappuccino oder Flat White – von Heilandt.

Zum Lunch kredenzt das Platz 4 dann seine "Platzstullen". Wobei das Wort "Stulle" angesichts der üppigen Deluxe-Sandwiches, die da serviert werden, fast schon einer Beleidigung gleicht. Ob nun geschmorte Ochsenbacke, Pulpo oder – mein Favorit – Bornheimer Spargel mit Sauce hollandaise: Diese Köstlichkeiten im warm gerösteten Sesambun sind einfach nur zum Reinlegen.

© Christin Otto

Spätestens am Nachmittag ist dann die Handschrift von Platz-4-Geschäftsführerin Alisa unverkennbar. Manch einer kennt sie schon aus dem Madame Tartine in Ehrenfeld. Für ihren zweiten Laden in Sülz greift sie ebenfalls tief in die Back-Trickkiste und zaubert verführerische Kalorienbömbchen wie Lemon-Cheesecake oder weiße Schoko-Himbeer-Tarte. Weil Kuchen nun mal immer geht.

Dass Fine Dining wiederum auch dann geht, wenn man glaubt, wenig damit anfangen zu können, dafür dürfte das Platz 4 der Beweis sein. Selten war edel so unprätentiös und nahbar.

© Christin Otto
© Platz 4

Unbedingt probieren: das Ceviche, die Platzstulle mit Spargel, den Cheesecake mit weißer Schokolade und kandierter Holunderblüte

Besonderheit des Ladens: Mezze auf Fine-Dining-Niveau in lockerem Ambiente zu fairen Preisen.

Mit wem gehst du hin: deinen Eltern, deinem Freund bzw. deiner Freundin oder deinem Date.

Preise: Mezze zwischen 8 und 16 Euro, Platzstullen 12 bis 13 Euro, Frühstück 7,50 bis 9 Euro, Kuchen 3,60 Euro

Platz 4 | Elisabeth-von-Mumm-Platz 4, 50937 Köln | Montag, Mittwoch, Donnerstag: 9–23 Uhr, Freitag: 9–24 Uhr, Samstag: 10–24 Uhr, Sonntag: 10–23 Uhr | Mehr Info

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