Ein besonderer Laden – die genossenschaftliche Kneipe in Ehrenfeld

© Carolin Franz

Die letzten Monate haben so einige spannende Projekte hervorgebracht. Bei vielen wurde aus der Not eine Tugend, aus einer spontanen Idee ein neues Geschäftsmodell und aus der Krise eine ungeahnte Möglichkeit. Dass es eigentlich keine globale Krise braucht, um auf unkonventionelle und gute Ideen zu kommen, zeigt eine kleine, aber feine Kneipe, die seit August an der Subbelrather Straße zu finden ist. 

Das Besondere: Der Laden – der bisher noch keinen Namen trägt – wurde genossenschaftlich auf die Beine gestellt. TRINK–GENOSSE ist der Name der Genossenschaft, die für diese Idee verantwortlich ist. Wie die Kneipe bald heißen wird, das entscheidet die Genossenschaft natürlich gemeinsam und demokratisch – und das kann schon mal einen Moment dauern.

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Aber was bedeutet das überhaupt, als Genossenschaft eine Kneipe zu eröffnen? Die Idee zur Kneipe kam schon vor einigen Jahren auf – Kai und Jan, zwei Studenten der KISD und quasi die Urgesteine der Trinkgenoss*innen, untersuchten 2015 in ihrer Bachelorarbeit, wie so eine genossenschaftliche Kneipe möglich sein könnte. Für die wirkliche Umsetzung hat es dann aber noch eine ganze Weile gebraucht. 2018 wurde ein Crowdfunding für die Kneipe gestartet, über 50.000 Euro kamen zusammen. Viele wollten nicht nur unterstützen, sondern waren begeistert von der Idee, selbst mitzuwirken: Denn das Konzept der Genossenschaft war für alle Beteiligten viel zu lange in Vergessenheit geraten und dabei doch noch attraktiv.

Mit 250 Euro ist man als Genoss*in dabei – und kann sich dann als fester Teil des Teams einbringen, mithelfen, neue Ideen entwickeln oder sich auch mal aus dem Geschehen zurückziehen. Hier helfen alle so viel und oft mit, wie sie können – schließlich arbeiten sie freiwillig an diesem spannenden Projekt.

Der Weg zur genossenschaftlichen Kneipe

So motiviert es bei Trinkgenosse auch zugeht – natürlich mussten auch die Genoss*innen erstmal Corona die Stirn bieten. Allzu lange beeindrucken ließ man sich von Lockdown und Co. aber nicht. Als die Eröffnung der Kneipe an der Subbelrather Straße im Frühling erstmal in die Ferne rücken musste, wurde kurzerhand eine digitale Version der Kneipe auf der Homepage veröffentlicht. Hier kann man sich – auch jetzt noch – treffen, quatschen und mehr über das Projekt erfahren. Auch die Plenen der Genossenschaft werden in den Online-Räumlichkeiten abgehalten, auf die ihr hier einen Blick werfen könnt.

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Im August war es dann aber soweit: Die Türen konnten endlich auch im Real Life geöffnet werden. Seitdem wird hier unter anderem Mühlen Kölsch und Hellers Pils gezapft, es gibt Bio-Wein aus Rheinhessen und den Schnaps natürlich aus Köln. Was hier auf die Theke kommt, soll im besten Fall bio und fair sein, von lokalen oder kleinen Unternehmen, die man gerne unterstützt.

Bei TRINK–GENOSSE geht es nämlich nicht einfach nur um eine gemeinsame Kneipe – viel mehr soll das Projekt zeigen, wie gemeinsam und demokratisch Neues entstehen kann, vielleicht auch als Vorreiterprojekt für viele andere in der Stadt. Offen für alle Ideen sind die Genoss*innen in jedem Fall. Vielleicht gibt es dort bald Kaffee oder Glühwein, Kölner Künstler*innen sollen ihre Werke ausstellen und auch kleine Veranstaltungen wünschen sich alle – soweit Corona es zulässt.

Auch vor Ort steht die Arbeit eigentlich nie so richtig still: Denn wenn eine bunte Mischung aus Gastronom*innen, Medienleuten, Architekt*innen, Ärzt*innen, Designer*innen, Handwerker*innen – oder kurz: Menschen aus den unterschiedlichsten Branchen zusammenkommen, gibt es immer irgendetwas, das gemeinsam umgesetzt werden kann.

© Carolin Franz

Wer sich in der Kneipe ohne Namen ein Kölsch gönnt, kann den „work in progress“ selbst verfolgen: Die provisorische Theke macht sich zwar gut im Raum, soll aber eigentlich noch ersetzt werden, Regale an den Wänden sind bisher nur angezeichnet, und im hinteren Bereich ist auf einer Menge Bildern zu sehen, welche Reise die Trinkgenoss*innen schon gemeinsam hinter sich gebracht haben. 

Was euch in der Kneipe außerdem erwartet: gute Stimmung und ein buntgemischtes Publikum – von Freund*innen und Bekannten über interessierte Nachbar*innen aus dem Veedel bis hin zu Leuten, die einfach nur ein Kölsch trinken wollen. Die Kneipe soll ein Raum sein, um ins Gespräch zu kommen, um Austausch zu ermöglichen und um zu zeigen, dass auch ungewöhnliche Wege ans Ziel führen können. Das Einzige, was jetzt noch fehlt: der passende Name! Aber auch ohne den ist Ehrenfelds genossenschaftliche Kneipe schon ein voller Erfolg. 

Besonderheit des Ladens: das ganz besondere Konzept, die Kneipe genossenschaftlich auf die Beine zu stellen

Mit wem gehst du hin: Mit Freund*innen und Neugierigen

Preise: Mühlen Kölsch 1,70 Euro, Hellers Pils 2,60 Euro, Fritz-Kola 2,90 Euro, Weinschorle 4,50 Euro

Kneipe | Subbelrather Straße 254, 50825 Köln | Mittwoch: ab 19 Uhr, Donnerstag: ab 18 Uhr, Freitag – Samstag: ab 19 Uhr | Mehr Info

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