Veedeltour – urkölsches Feeling in der Südstadt

© Nicola Dreklser

Wer den wahren Charme Kölns spüren will, den verschlägt es in die Südstadt – und das aus gutem Grund: Die Südstadt gilt als das urkölscheste aller 86 Veedel. In der Südstadt trifft Tradition auf Moderne, wunderschöne Altbauten auf 50er-Jahre-Bauten, Traditionsläden auf Brauhäuser mit modernem Twist, die alteingesessene Metzgerei auf eine Metzgerei für Hunde, Kölsche Originale auf zugezogene Studenten und kleine Familien.

Zu guter Letzt wäre da noch der Karneval, der gefühlt über allem steht und all das miteinander vereint. Die Südstadt ist nämlich das Epizentrum des Kölner Karnevals. Nahezu alle größeren Karnevalsvereine haben in der Südstadt ihren Sitz und der große Rosenmontagszug startet bekanntlich am Chlodwigplatz. 

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Am Chlodwigplatz wird aber nicht nur Karneval gefeiert, rund um den Kreisverkehr tummelt sich auch das Leben. Von den umliegenden Cafés und Restaurants aus kann man wunderbar das Geschehen im Veedel beobachten. Außerdem ist der Chlodwigplatz der Knotenpunkt der nahezu wichtigsten Straßen der Südstadt. Von hier aus gehen die Bonner Straße, die Merowingerstraße und die Severinstraße ab.

Dat Hätz des Veedels schlägt im Severinsviertel, das hinter der Severinstorburg beginnt. In der fast ein Kilometer langen und schmalen Severinstraße reihen sich kleine Läden, Cafés und Restaurants aneinander – hier bekommt man alles, was man fürs tägliche Leben benötigt: frisches Obst und Gemüse, Blumen, richtig guten Kaffee vom Löwencafé oder neuerdings sogar von Van Dyck, lecker Kölsch, eine Falafel oder ein Eis auf die Hand, Burger – und ja, sogar ein kleines Programmkino findet man hier: das beliebte Odeon Kino.

© Christin Otto | Nicola Dreksler
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Und auch Traditionsläden wie die Natur-Metzgerei Hennes oder die Bäckerei Brochmann sind wichtige Anlaufstellen im Severinsviertel, bei denen die Menschen schon mal Schlange stehen. Während man hier wartet oder über die Straße flaniert, kann es schon mal vorkommen, dass man hier und da eine Phrase Kölsch aufschnappt.

Kölner bezeichnen das Severinviertel übrigens auch als „Vringsveedel“. Der Heilige Erzbischof Severin gab dem Veedel seinen Namen – auf Kölsch wird Severin nämlich „dä Vrings“ genannt. Nach ihm ist auch die katholische Pfarrkirche St. Severin benannt. Dienstags und freitags findet man auf dem Platz vor der Kirche den kleinen Ökomarkt. 

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Doch die Zeiten in der Severinsstraße waren nicht immer rosig – 2009 stürzte hier im Zusammenhang mit dem Bau der Nord-Süd-Stadtbahn das Kölner Stadtarchiv ein. Bei dem Einsturz kamen zwei Menschen ums Leben. Selbstverständlich wurde auch das Archivgut verschüttet – man rechnet damit, dass die fachkundige Aufbereitung des beschädigten Archivguts noch 30 Jahre dauert.

Von der Severinstraße aus führen viele kleine Seitenstraßen an das Rheinufer, das zum Spazieren, Sport machen und Chillen einlädt. Die Kranhäuser, der Skatepark Kap686 und die „Wurstbraterei“, die Original-Pommesbude aus dem Kölner Tatort, ziehen nicht nur die Südstädter, sondern auch zahlreiche Besucher aus anderen Veedeln und Touris an. Kein Wunder – wenn dann noch die Sonne im Zenit steht und dem Skatepark unter der Südbrücke einen goldenen Anstrich verpasst, könnte man meinen, man sei in Kalifornien und nicht in Köln, herrlich!

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Wer eher Grünes bevorzugt, der wird in der Südstadt ebenfalls fündig: Sowohl im Volkgarten als auch im Römerpark kann man sich beim Tischtennis spielen und Joggen austoben oder aber einfach nur entspannen. Im Volksgarten könnt ihr sogar Enten beobachten, Bötchen fahren und es euch im Biergarten gut gehen lassen.

Die angrenzende Volksgartenstraße glänzt mit wunderschönen Häusern. Läuft man hier die Straße entlang, fragt man sich, wer eigentlich hinter diesen prunkvollen Fassaden wohnt. Viele Kölner suchen jahrelang nach einer (bezahlbaren) Wohnung in der Südstadt, denn trotz der starken Zerstörung im Zweiten Weltkrieg ist das Stadtbild auch heute noch von historischen Fassaden aus der Gründerzeit geprägt.

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Wer in der Südstadt tatsächlich eine bezahlbare Wohnung findet, der muss vom Glück geküsst worden sein. Der durchschnittliche Quadratmeterpreis liegt aktuell nämlich bei 14,31 Euro – damit ist die Südstadt das teuerste Pflaster Kölns.

Läuft man die Volksgartenstraße Richtung Rhein weiter hoch, stößt man auf die Merowingerstraße und die Bonner Straße. Auch hier spielt sich ein Großteil des täglichen Lebens ab: Die Südstädter kaufen hier ein, trinken Kaffee in gemütlichen Cafés wie im Café Hubert, Einspänner oder Einbrand und schlagen sich die Bäuche voll.

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Insbesondere die Bonner Straße hat kulinarisch einiges zu bieten: Richtig gute Burger bekommt ihr bei der Fetten Kuh und bei Einburgerung, Mangal macht euch mit Poldis Döner glücklich, Pizza-Liebhaber kommen bei 485 Grad und Da Nino auf ihre Kosten, leckere Gyros-Pita gibt’s bei Jakob Gyros und das anschließende Dessert liefert Stecco Natura Eis – eine echte Schlemmermeile.

Ein bisschen wie in Italien fühlt man sich im Zugweg, einer Seitenstraße der Bonner Straße. „La Dolce Vita“ könnt ihr hier unter anderem in dem italienischen Gourmet-Restaurant Teatro, aber auch bei Espresso oder Aperol im Formula Uno genießen.

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Fürs Feierabendkölsch treffen sich die Südstädter am Eierplätzchen – wie der Name vermuten lässt, handelt es sich um einen Platz, der die Form eines Eis hat. Richtig erkannt, die Südstädter sind in der Namensgebung äußerst kreativ. Bänke, Stühle und der „Kiosk am Eierplätzchen“ machen lauschige Sommerabende perfekt.

Und auch die Dichte an kölschen Traditionskneipen ist hoch und dennoch mangelt es sich nicht an Adressen für leckere Drinks und edle Tropfen. In der Ubierschänke, im Früh und im Schmitze Lang bekommt ihr lecker Kölsch, im Schnörres gute Drinks, im Weinladen Südstadt leckere Tröpfchen, im Kajtek Vodka und im Johann Schäfer Brauhaus Südstadt Pils und Chlodwig Weizen. Dort gibt es sogar noch deftige Brauhausküche dazu – und zwar eine, die es in sich hat. In der kreativen Küche werden kölsche Klassiker nämlich neu interpretiert.

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Und wer sich danach noch auf der Tanzfläche verausgaben möchte, der braucht dafür nicht „in die Stadt“ fahren, denn dafür gibt ja den Tsunami Club. Und genau das ist das Problem an den Südstädtern: Nisten sie sich hier einmal ein, kommen sie nur noch schwer aus ihrem Veedel raus. Warum sollten sie auch? Ein Veedel, unendlich viele Möglichkeiten!

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