Tschüss Zeit für Brot, hallo Mehlwerkstatt!

© Christin Otto

Wer zuletzt vor Zeit für Brot in Ehrenfeld stand, staunte wahrscheinlich nicht schlecht, als er merkte: Zeit für Brot ist plötzlich gar nicht mehr Zeit für Brot, sondern Die Mehlwerkstatt. Kurz vor Christi Himmelfahrt passierte es quasi über Nacht: Neuer Name, neues Sortiment – und, das zeigt die Trennwand zum alten Gastraum, auch ein neuer Look ist schon in Arbeit.

Doch warum all das, fragt sich jetzt wahrscheinlich manch einer – schließlich war Zeit für Brot auch in Köln längst ein Erfolgskonzept. "Unser Partner-Vertrag ist ausgelaufen und wir haben uns entschieden, dass wir nun eigene Wege gehen wollen", erklärt Michaela, die Zeit für Brot im Jahr 2015 gemeinsam mit ihrer Frau Andrea als deutschlandweit einzigen partnerschaftlich geführten ZfB-Betrieb in Köln eröffnet hat.

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Mehlwerkstatt
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Dass die beiden gemeinsam mit ihren rund 50 Mitarbeitern in Köln nun ihr eigenes Ding machen – ganz unabhängig vom großen Brotmacher aus Berlin –, bringt nicht nur neue Freiheiten, sondern auch Arbeit mit sich. Neue Rezepturen mussten her. Schließlich würde sonst auf kurz oder lang wohl ein Rechtsstreit mit Zeit für Brot drohen.

Für die Gäste hat das auch Vorteile – davon ist Michaela überzeugt. "Wir haben ganz neue Produkte, die wir vorher nicht hatten. Zum Beispiel den Pesto- und den Bolognese-Wickel." Außerdem seien viele Produkte, die an altbekannte ZfB-Klassiker erinnern, nun um einiges besser. "Früher hatten wir eine Olivenstange. Stattdessen haben wir jetzt einen Olivenring, der viel saftiger ist."

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Wer mit Schnappatmung kämpft, weil er fürchtet, die Zeit der dicken Hefeteigschnecken könnte vorbei sein, den können wir beruhigen: Schnecken gibt es zwar tatsächlich nicht mehr, doch stattdessen hat die Mehlwerkstatt viele verschiedene "Wickel" im Programm – und die sind trotz neuer Rezeptur geschmacklich nicht weit von den alten ZfB-Schnecken entfernt. Zumindest hat das unser erster Test des Walnuss-Wickels mit Ahornsirup ergeben.

Obwohl einige Gewohnheitstiere bereits monieren, dass der Geschmack nicht mehr derselbe sei, lautet unser Fazit nach den ersten Kostproben von Wickeln, Brötchen und Olivenring: Ins Kissen weinen müssen ZfB-Fans nicht wirklich, denn die Mehlwerkstatt liefert für die meisten altbekannten Produkte eine neue, oft sehr ähnliche Ersatzdroge. Das gilt übrigens auch für den Temma in Bayenthal, wo die neuen Mehlwerkstatt-Produkte nun ebenfalls die von ZfB ersetzen.

Preislich drohen dabei keine allzu bösen Überraschungen. Denn: Im Gegensatz zu Läden, die im Zuge einer Neustrukturierung gerne mal ordentlich an der Preisschraube drehen, haben Michaela und Andrea auf horrende Erhöhungen in der Mehlwerkstatt verzichtet. Hier und da sind die neuen Produkte zwar ein paar Cent teurer als zuvor – doch die Steigerung bleibt verkraftbar.

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Konstant bleibt auch ein weiterer Faktor – nämlich der, dass in der Backstube ausschließlich mit Bio-Zutaten gearbeitet wird. Außerdem gilt in der Mehlwerkstatt noch immer: 100 Prozent Handwerk. "Alles, was es bei uns gibt, ist von unseren Bäckern handgemacht. Darum gibt es bei uns auch keine Croissants – weil wir die nicht selbst herstellen können. Natürlich könnten wir Aufbackware aus Frankreich bestellen, aber das wollen wir nicht", sagt Michaela.

Was sie und ihre Frau hingegen sehr wohl wollen, ist ein neuer Look für die Mehlwerkstatt. Schließlich wurde seit der ZfB-Eröffnung nicht mehr renoviert. Genau das ändert sich gerade – weswegen aktuell der ehemalige Gastraum abgesperrt ist. Dort wird nämlich gewerkelt. In den nächsten Wochen soll einiges passieren: neuer Boden, neue Fliesen, neue Theke, neuer Gästebereich.

Ist der Wandel dann komplett vollzogen, ist aber längst noch nicht Schluss – denn an neuen Rezepturen, verrät Michaela, wird konstant getüftelt. Und wer weiß, vielleicht wird dann ja auch irgendwann der schon in ZfB-Zeiten immer wieder aufkommende Wunsch nach einer veganen Schnecke in Form eines veganen Mehlwerkstatt-Wickels erfüllt.

© Christin Otto
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Unbedingt probieren: den Walnuss-Wickel und den Pesto-Wickel.

Besonderheit des Ladens: Bio-Backwaren aus 100 Prozent Handarbeit.

Mit wem gehst du hin: allen, die wegen ein paar Kohlenhydraten noch längst nicht auf Genuss verzichten

Preise: süße Wickel 2,90 Euro, herzhafte Wickel 3,20 Euro, belegte Stullen 3,20 Euro, Brotringe 1,80 Euro, Brote 3,20 – 6,90 Euro

Die Mehlwerkstatt | Venloer Str. 202, 50823 Köln | Montag – Freitag: 7–20 Uhr, Samstag: 8–20 Uhr, Sonntag: 8–18 Uhr | Mehr Info

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