11 Kölner Restaurant-Klassiker, die ihr kennen solltet
Köln ist Flat White, Smash-Burger und Avocado-Stulle. Stimmt alles – aber Köln ist auch Himmel un Ääd, rheinischer Sauerbraten und Reibekuchen. Bei all den Neueröffnungen geraten die Läden leicht in Vergessenheit, die es schon gefühlt ewig gibt und die oft älter sind als wir selbst. Zwischen Veedel-Kneipe und gutbürgerlichem Restaurant findet ihr sie noch, die kulinarischen Institutionen, in denen die Zeit ein bisschen stehengeblieben ist: ehrlich, unaufgeregt und typisch kölsch. Keine Foodtrends, kein ChiChi – dafür 11 Klassiker, die ihr kennen solltet.
1 Gulaschsuppe in der Puszta-Hütte
In der Puszta-Hütte an der Fleischmengergasse gibt es genau ein Gericht: Gulaschsuppe – und die genießt Kultstatus. Wahrscheinlich gibt es kaum ein anderes Restaurant, das es mit nur einer Speise auf der Karte bis zum eignen Wikipedia-Eintrag geschafft hat. Der Puszta-Hütte jedoch ist genau das gelungen. In mehreren TV-Shows war es schon zu sehen – das Lokal, in dem sich alles um Gulasch dreht. Das Rezept soll Gründer Max Lippert von einer Bäuerin aus Ungarn haben, bei der er nach seiner Kriegsgefangenschaft Unterschlupf gefunden hatte. Der feurige Eintopf begeistert die Kölner*innen bis heute – was auch daran liegen könnte, dass es eine Kelle Saucen-Nachschlag umsonst dazu gibt. Und wer nicht genug vom Puszta-Hütten-Gulasch bekommt, kann sich auch ein paar Dosen für zu Hause mitnehmen.
2 Päffgen und Kotelett im Lommerzheim
Einen Schönheitspreis gewinnt das "Lommi" mit seinem rustikalen Aussehen zwar nicht, trotzdem ist es die Mutter aller kölscher Kaschämmen. Über das Lommerzheim gibt es Lieder, einen Wikipedia-Eintrag und die Straße gegenüber heißt "Hans-Lommerzheim-Straße". Mehr Kult geht nicht. Zu verdanken ist all das dem ehemaligen Besitzer Hans Lommerzheim, der die Gaststätte zusammen mit seiner Frau Annemie über 40 Jahre geführt hat. Mit seiner Art begeisterte er Stammkund*innen und Touris ein halbes Jahrhundert lang, bis er im Jahre 2005 verstarb. Kult ist das "Lommi" aber noch immer. Wer hier essen und trinken möchte, muss früh da sein, denn oft bildet sich schon nachmittags eine Schlange. Was man hier isst? Das berühmte Kotelett mit Schmorzwiebeln natürlich! Außer es ist Aschermittwoch, denn dann steht auch im "Lommi" das traditionelle Fischessen auf dem Plan. Dazu gibt es süffiges Päffgen – bei schönem Wetter auch im Biergarten.
3 Ehrenfelder Senfrostbraten im Haus Scholzen
In Ehrenfeld ist das Haus Scholzen längst eine Institution. Grund ist natürlich vor allem das leckere Essen. Der Ehrenfelder Senfrostbraten – die Spezialität des Hauses – ist für Fleisch-Fans ein Must-try. Aber auch mit einem Schnitzel oder den Käsespätzle macht ihr hier nichts falsch. Wer kölsche Klassiker probieren will, bekommt im Haus Scholzen beispielsweise "Himmel un Ääd" oder Reibekuchen zum Gaffel-Kölsch serviert. Zudem gibt es eine wechselnde Karte mit saisonalen Gerichten – je nach Jahreszeit dürft ihr euch auf Spargel, Pfifferlinge, Gänsebraten oder traditionelles Fischessen an Aschermittwoch freuen. Außerdem könnt ihr auch ganze Bereiche für Feiern aller Art in dem urigen Gasthaus reservieren.
4 Brauhauskost vom Feinsten im Max Stark
Wie beliebt das Max Stark ist, wissen alle, die schon mal versucht haben, in dem urigen Gasthaus im Kunibertsviertel (direkt neben dem Eigelstein-Viertel) einen Tisch zu bekommen. Will heißen: Wer nicht reserviert hat, braucht Glück und Geduld. Gäste bekommen hier süffiges Päffgen-Kölsch und Brauhaus-Kost vom Feinsten serviert. Auf der Karte stehen kölsche Klassiker von Matjesfilet über Schnitzel bis hin zum Sauerbraten. Außerdem gehören die Bratkartoffeln hier zu den besten der Stadt. Natürlich gibt es auch saisonale Spezialitäten – wie Gans ab Sankt Martin, Muscheln ab November und Spargel im Frühling. Dienstags ab 17 Uhr bekommt ihr hier außerdem frische Reibekuchen.
5 Muscheln im Bier-Esel
Miesmuscheln nach Rheinischer Art bekommt man in Köln ab September in jedem guten Gasthaus – denn dann startet die Muschelsaison. Wer Muscheln allerdings nach alter Tradition genießen will, geht in Kölns ältestes Muschelhaus, den Bier-Esel in der Innenstadt. Serviert werden die Muscheln hier, wie es sich gehört, im Muscheltopf – mal auf Rheinische Art, mal auf italienische oder spanische. Sage und schreibe acht verschiedene Zubereitungsarten stehen zur Wahl. Sollte euch Seafood dann doch in Form von Fisch besser munden, bekommt ihr im Bier-Esel nicht nur das traditionelle Fischessen an Aschermittwoch geboten – Matjes, hausgebeizter Lachs und Fish'n'Chips sind fester Bestandteil der Karte. Vegetarier*innen sollten die Käsespätzle probieren.
6 Riesen-Schnitzel bei Oma Kleinmann
Die Kultkneipe Bei Oma Kleinmann kennt man in Köln einfach. Mitten auf der Zülpicher Straße liegt sie – und ist dort eine der letzten richtigen Eckkneipen inmitten von Cocktailbars und Dönerbuden. Benannt ist das Lokal nach der kölschen Kult-Wirtin Paula Kleinmann, die noch bis ins hohe Alter in der Küche gestanden und Kartoffeln geschält haben soll. Berühmt ist das Oma Kleinmann aber nicht für Kartoffeln, sondern für seine üppigen Schnitzel, die ihr in verschiedenen Varianten und Größen bestellen könnt – für Kids und Senior*innen gibt's extra kleinere Schnitzel. Gemacht sind sie aus Neuland-Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Selbst Veggies bekommen hier ein Schnitzel – in diesem Fall aus Sellerie oder Käse. Apropos Käse: Auch die Käsespätzle sind ein Evergreen auf Omas Karte und richtig lecker. Hinzukommen saisonale Specials – je nach Jahreszeit gibt es zum Beispiel Spargel, Grünkohl, Pfifferlinge oder Fischessen an Aschermittwoch.
7 Gutbürgerliche Küche vom Feinsten im Haus Schnackertz
Gutbürgerliche Küche gekocht mit frischen Produkten aus der Region bekommt ihr im Haus Schnackertz. Spezialität des Hauses ist – neben dem Schnitzel mit Kartoffelsalat – der Nippeser Senfrostbraten. Jede*r Fleischliebhaber*in im Veedel sollte den mindestens einmal gegessen haben. Zumal Fleisch und Fisch aus artgerechter Haltung bezogen werden. Außerdem steht saisonale Küche hoch im Kurs – an Aschermittwoch wird Fisch serviert, zur Spargelzeit gibt es Stangengemüse, später im Jahr dann Pfifferlinge und Gans. Wer der österreichischen Küche verfallen ist, sollte hier übrigens nicht nur wegen des erstklassigen Wiener Schnitzels vorbeischauen, denn auch die hausgemachten Kasspatzn und der Kaiserschmarren sollen richtig gut sein.
8 Rustikal schlemmen im Restaurant Pöttgen
Liebhaber*innen deftiger, deutscher Küche zieht es seit Jahrzehnten ins Restaurant Pöttgen an der Landmannstraße. Wolfgang Pöttgen führt das Traditionslokal schon in vierter Generation und begeistert seine Gäste im urigen Gasthaus-Ambiente mit Schnitzel, dicken Pfannkuchen, Reibekuchen und anderen rustikalen Gerichten. Martinsgans bekommt ihr hier sogar schon ab Ende Oktober. Außerdem dürft ihr euch im Frühling auf leckeren Spargel und im Herbst auf Muscheln Rheinische Art freuen. Besonders schön ist es im Pöttgen aber im Sommer, denn dann lädt der lauschige Hinterhof zum Entspannen unter freiem Himmel ein.
9 Preiswerter Mittagstisch bei Mayer's Imbiss
Das Belgische Viertel ist vor allem für seine fancy Cafés, hippen Läden und Bars bekannt. Ein Ort, der hier auf den ersten Blick so gar nicht (mehr) reinpasst, ist der Mayer's Imbiss an der Venloer Straße. In herzlichem Büdchen-Ambiente samt Stehtisch bekommt ihr hier noch das gute alte Mettbrötchen – im Angebot auch mal für nur 1,40 Euro –, krosse Frikadellen und würzigen Gulascheintopf – aber eben auch Chili sin Carne, eine bunte Salat-Auswahl und andere Veggie-Optionen. Denn bei Mayer's geht beides: bodenstädige Hausmannskost, die auch vegetarisch sein darf. Neben den unterschiedlichen Brötchen, Suppen, Salaten und Eintöpfen ist das Highlight der täglich wechselnde, preiswerte Mittagstisch. Auch hier gibt es immer eine Option mit Fisch oder Fleisch – für 8,50 Euro – und eine vegetarische Variante zwischen 6,50 und 7 Euro. Den "Speiseplan" der Woche könnt ihr online abrufen.
10 Wildlachs-Räucherei Bremer – Seafood-Paradies in Marsdorf
Die Wildlachs-Räucherei Bremer in Marsdorf ist ein wahres Paradies für Seafood-Fans. Hier gibt es eine riesige Auswahl an Fisch und Meeresfrüchten, hausgemachte Salate, Mittagstisch und belegte Baguettes mit allem, was Süß- und Salzwasser so zu bieten haben. Richtig toll: Hier wird noch selbst geräuchert – und zwar nicht nur Wildlachs, sondern auch Aal, Makrele, Garnelen und vieles mehr. Mittags dürft ihr euch auf Gerichte wie Kibbeling, Lachs-Lasagne, Wolfsbarschfilet oder Fischsuppe freuen. Wenn die Temperaturen steigen, wird am Wochenende auch regelmäßig auf der Terrasse gegrillt.
11 Deftige Kost im Wirtz in der Südstadt
Wer dicke Koteletts, lange Bratwürste und deftige Kost im Allgemeinen abfeiert, wird das Wirtz in der Südstadt lieben. Die urige Eckkneipe an der Isabellenstraße nennt sich selbst "The Godfather of Kotelett" und wahrscheinlich ist das noch nicht mal gelogen. Denn das Kotelett mit Bratkartoffeln ist wirklich erste Sahne. Und auch das Rumpsteak schmeckt im Wirtz hervorragend – besonders mit der hausgemachten Pfeffersauce. Fest steht: Hier bekommt ihr ehrliches, gutbürgerliches Essen und entspannte Atmosphäre – und all das zu humanen Preisen.
Christin Otto