True Crime in Köln: 11 wahre Verbrechen

© Jakub Kriz | Unsplash

Heute ist Köln für seinen rheinischen Frohsinn bekannt, doch lange galt die Stadt als Hochburg des Verbrechens. Zu Beginn der 60er-Jahre wurde nirgends sonst in Deutschland so viel geraubt, bestochen, erpresst, geprügelt und totgeschlagen. "Chicago am Rhein" wurde Köln genannt. Milleu-Größen wie die Zuhälter-Könige Heinrich Schäfer alias "Schäfers Nas" und Anton Dumm alias "Dummse Tünn" regierten die Unterwelt und wurden zu kölschen Legenden.

Doch sie waren weder die ersten, noch sollten sie die letzten bleiben, die in Köln für Angst und Schrecken sorgten. In Mülheim beging der berüchtigte Serienkiller Peter Kürten seinen ersten Mord, in Braunsfeld nahm mit der Entführung von Hanns Martin Schleyer der Deutsche Herbst seinen Lauf, in Hahnwald wurden binnen kurzer Zeit gleich zwei Kinder gekidnappt und in einem Kaufhaus an der Hohe Straße verschwand ein Baby, das nie wieder auftauchen sollte. Ihr wollt euch auf die Spur des Verbrechens begeben? Dann kommen hier 11 True-Crime-Stories aus Köln:

1. Hahnwald: Zwei Kindesentführungen in einem Jahr

Johannes Erlemann, Sohn eines prominenten Unternehmensberaters, wird im März 1981 im Alter von elf Jahren entführt. Auf dem Heimweg vom Jugendzentrum „Altes Stellwerk“ in Hahnwald zerren mehrere Männer den Jungen in einen Lieferwagen und bringen ihn in ein Waldstück. Dort halten sie das Kind zwei Wochen lang angekettet in einem kleinen Bretterverschlag gefangen – ohne Fenster, ohne Strom, ohne Heizung. Gegen drei Millionen Mark Lösegeld lassen die Entführer den Jungen auf einem Acker frei. Wenige Tage später werden die Kidnapper gefasst.

Es ist nur eine von zwei spektakulären Kindesentführungen in Hahnwald in diesem Jahr. Im Dezember 1981 wird das damals achtjährige Mädchen Nina von Gallwitz auf dem Weg zur Grüngürtelschule in Hahnwald entführt. Die Bankiers-Tochter wird 149 Tage lang gefangen gehalten – es ist eine der längsten Entführung in der deutschen Kriminalgeschichte. Nach fünf Monaten und mehreren missglückten Lösegeldübergaben wird das Kind schließlich gegen 1,5 Millionen Mark freigelassen. Die Entführer wurden nie gefasst.

2. Mülheim: Der erste Tatort des Serienmörders Peter Kürten

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Peter Kürten ist jener Serienmörder, der als "Der Vampir von Düsseldorf" in die Kriminalgeschichte eingegangen ist. Als drittältestes von 13 Geschwistern wuchs Kürten in Mülheim als Sohn eines gewalttätigen Alkoholikers auf. Bereits als Neunjähriger soll er die Lust am Morden entdeckt haben, als er zwei Spielkameraden in den Rhein stieß und sie ertrinken ließ. Seinen ersten nachweisbaren Mord verübte er im Mai 1913 in Mülheim – und zwar in dem Eckhaus, wo heute Keupstraße und Holweider Straße aufeinander treffen. Dort befand sich damals die Gastwirtschaft „Zum Goldenen Roß“. Kürten brach am Abend in die Wohnung des Gastwirts ein. Wertgegenstände fand er zwar nicht, dafür aber die schlafende neunjährige Tochter Christine, der er kurzerhand die Kehle durchschnitt.

3. Die Geiselnahme in der Deutschen Bank am Dom

In der Deutschen Bank am Dom kommt es 1971 zu einem Banküberfall, der in die Geschichte Kölns eingeht: Drei bewaffnete Männer stürmen das Gebäude, fordern Geld und nehmen Geiseln. Später lösen zwei Polizisten die Gefangenen aus, indem sie sich selbst zum Tausch anbieten. In der Bank müssen sich die beiden Beamten bis auf die Unterhosen ausziehen, um zu beweisen, dass sie unbewaffnet sind. Während der stundenlangen Verhandlungen versammeln sich tausende Schaulustige auf der Domplatte. Die Polizisten kommen schließlich wieder frei, doch für die Räuber nimmt der Überfall kein gutes Ende: Im Saarland werden sie gefasst, der Anführer wird erschossen. In Deutschland löst der Fall eine Debatte über die richtige Polizeitaktik in solchen Fällen aus. Die Beamten waren schlecht vorbereitet, geschulte Einsatzkräfte fehlten.

4. Die "Leiche ohne Kopf"

Im Juli 2016 finden spielende Kinder am Rheinufer Plastiksäcke mit Leichenteilen. Ein Jahr später sind es wieder Kinder, die in einem Waldstück in Vogelsang den fehlenden Kopf entdecken. Der Fall, der unter dem Titel „Leiche ohne Kopf“ Schlagzeilen macht, geht in die Kölner Kriminalgeschichte ein. Nur durch ein aufwendiges Verfahren finden Rechtsmediziner und Ermittler heraus, dass es sich bei dem Toten um Hayiang S. handelt. Der 28-jährige Chinese war seit 2014 Koch im Kölner China-Restaurant „Konfuzius“ und soll dort mehrfach mit Kollegen aneinander geraten sein. Einer dieser Kollegen ist es auch, der sich später für den Tod des 28-Jährigen verantworten muss. Angeklagt wird Jitao W., ebenfalls Koch im  „Konfuzius“. Weil er die Tat bestreitet, folgt ein aufwendiger Indizienprozess – erst 2019 gibt es einen Schuldspruch: Der 37-jährige Jitao W. muss wegen Totschlags für fünf Jahre und zehn Monate ins Gefängnis.

5. Braunsfeld: Wo die RAF Hanns Martin Schleyer entführte

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Im September 1977 nimmt eine der wohl aufsehenerregendsten Geiselnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte im Stadtteil Braunsfeld ihren Lauf. Die Rede ist von der Entführung des Arbeitgeberpräsidenten Hanns Martin Schleyer durch die RAF. Im Villenviertel am Stadtwald – genauer: an der Vincenz-Statz-Straße – stellt sich plötzlich ein Mercedes in den Weg von Schleyers Limousine, der von mehreren Polizeiwagen begleitet wird. Die Kolonne muss stoppen, RAF-Mitglieder eröffnen das Feuer. Schleyers Fahrer und mehrere Polizisten sterben im Kugelhagel. Schleyer selbst wird gekidnappt und in einem Hochhaus in Erftstadt versteckt. Der Kölner Polizei unterläuft eine fatale Panne: Bei der Fahndung geht ein Hinweis auf das Versteck unter, Schleyer kann nicht gerettet werden. Die RAF tötet Schleyer, seine Leiche wird später im Kofferraum eines Autos im Elsass gefunden. Die Entführung Schleyers war der Auftakt zum sogenannten Deutschen Herbst – sechs Wochen, die die Bundesrepublik erschütterten. Die RAF will damals elf inhaftierte Mitglieder freipressen.

6. Kölnberg: Die Leiche, die aus dem neunten Stock fiel

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Eine Leiche wird aus dem neunten Stock eines Hochhauses geworfen und landet direkt vor einem Kindergarten. Genau dieses Szenario hat sich im Juni 2014 auf dem Kölnberg abgespielt – einer Hochhaussiedlung im Stadtteil Meschenich. Was zunächst aussieht wie Mord, entpuppt sich später als Drogentod: Rechtsmediziner stellen fest, dass der 36-Jährige an einer Überdosis Heroin gestorben ist. In der Wohnung, aus der seine Leiche geworfen wurde, trafen sich Junkies zum Drogennehmen. So auch der 36-Jährige. Nach dessen Überdosis packten die anderen seine Leiche Medienberichten zufolge zunächst in einen Schrank. Als der Gestank unerträglich wurde, entsorgten sie den halb verwesten Körper über den Balkon. Wer genau den Toten aus dem neunten Stock befördert hat, konnte nicht geklärt werden.

7. Die Giftmischerin Irmgard Swinka

Irmgard Swinka ist die berüchtigtste Giftmörderin der deutschen Nachkriegsgeschichte. Fünf Morde gehen auf ihr Konto – und das binnen nur eines Jahres. Ihren Opfern gegenüber gibt sie sich als Samariterin aus, die ihnen Kaffee oder Tee gegen die Schmerzen reicht. Allerdings mischt sie tödliche Medikamente in die Getränke – oder sie bietet mit Gift getränkte Zigaretten an. Sobald die Vergifteten bewusstlos sind, plündert Swinka deren Wohnungen. Swinkas letztes Opfer ist eine 63-jährige Kölnerin aus Mülheim – ihr verabreicht sie im Juni 1948 einen tödlichen Cocktail aus Noctal-Tabletten und Morphium. Knapp drei Wochen später wird die Giftmörderin gefasst.

Vor dem Kölner Landgericht schreibt die damals 37-Jährige dann unfreiwillig Justizgeschichte. Im Mai 1949 wird sie zum Tode verurteilt – und erhält damit das letzte in Deutschland verhängte Todesurteil. Und genau dem entkommt Swinka dann doch, denn nur einen Tag später wird die Todesstrafe in Deutschland abgeschafft. Ihre Strafe wird daraufhin in eine lebenslange Haft umgewandelt. Im Alter von 74 Jahren wird sie von Ministerpräsident Johannes Rau begnadigt.

8. Deutz: Mafia-Mord in einer Pizzeria

Im Oktober 2006 wird der 55-jährige Umberto S. in seiner Deutzer Pizzeria „Bella Vista“ regelrecht hingerichtet. Fünf Schüsse aus einer Pistole, ohne Schalldämpfer. Der Schütze ist der ehemalige Gelegenheitsschauspieler Michael Petzold. Er wird gefasst und gesteht, Umberto S. im Auftrag der Mafia getötet zu haben. Das Gericht verurteilt ihn 2010 zu lebenslanger Haft.

Derweil suchen die Ermittler weiter nach den Hintermännern. Petzold selbst hält sich zunächst an das Mafia-Gesetz des Schweigens. 2011 will er dann doch auspacken und soll als Kronzeuge gegen einen gewissen Giuseppe B. aussagen, der aus Sizilien stammt und zur Mafia gehören soll. Doch dazu kommt es nicht mehr. In der Nacht zuvor nimmt sich Petzold in seiner Zelle das Leben. Der mysteriöse Selbstmord wirft die Vermutung auf, dass der lange Arm der Mafia bis ins Gefängnis reichte.

9. Innenstadt: Mord im Hilton-Hotel

Im August 2005 findet der Room-Service des Kölner Hilton Hotels in einer Suite einen leblosen Mann in einer Blutlache. Der Tote ist kein Unbekannter. Es ist der 37-jährige Nikolaus Geyer – ein berühmter Fotograf, der für bekannte Magazine gearbeitet und viele Promis abgelichtet hat. Wie sich später herausstellt, wurde Geyer unter falschem Vorwand in das Hotel gelockt. In einem der Zimmer wurde er dann hinterrücks mit einem Baseballschläger zu Tode geprügelt – angeblich von zwei Männern. Einer ist Daniel C. – er soll Geyer aus Eifersucht ermordet haben. Seine Freundin – eine ehemalige GZSZ-Darstellerin – hatte offenbar ein Auge auf den Fotografen geworfen. Im November 2011 wird Daniel C. zu lebenslanger Haft verurteilt. Der Mitangeklagte Agron B. wird freigesprochen, weil ihm eine Beteiligung an der Tat nicht nachgewiesen werden kann.

10. Jürgen Kuhl – Deutschlands bester Geldfälscher

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Jürgen Kuhl gilt als einer der besten Geldfälscher weltweit. Als Fahnder den Kölner im Mai 2007 festnehmen, finden sie kistenweise Falschgeld bei ihm. 16,5 Millionen falsche Dollar in nahezu perfekter Qualität. Es ist der größte Dollar-Falschgeldfund Deutschlands und der zweitgrößte weltweit. Mit diesem "Meisterwerk" hat Kuhl selbst die CIA und den Secret Service auf den Plan gerufen.

Ein Unbekannter ist Jürgen Kuhl auch vor seinem Dollar-Coup nicht. Bevor er Blüten im großen Stil produziert, ist der Kölner ein echter Tausendsassa, und ein recht erfolgreicher noch dazu. Als Modedesigner holt er in den 60ern die Hot Pants nach Deutschland. Als er Ende der 80er keine Lust mehr hat auf Mode, produziert Kuhl Pop-Art-Bilder im Warhol-Stil. Das bringt ihm erneut eine Stange Geld und den Namen als "kölscher Andy Warhol" ein. Kuhl lebt in Saus und Braus – teure Autos, chice Urlaube, wilde Partys. Doch als das Interesse an den Warhol-Imitaten schwindet, bekommt Kuhl Geldprobleme – und ein Bekannter, den Kuhl nur "den Albaner" nennt, bringt ihn auf die Idee, Hundert-Dollar-Scheine zu drucken. Als der Schwindel auffliegt, bekommt Kuhl die Mindeststrafe: sechs Jahre im offenen Vollzug.

11. Das Baby Rolf, das spurlos verschwand

Es ist der 25. März 1939, als das zwei Monate alte Baby Rolf Hörnschemeyer im „Woolworth“ an der Hohe Straße spurlos verschwindet. Die Mutter des Kindes – Berta Hörnschemeyer – soll den Kinderwagen kurz abgestellt haben. Als sie zurückkehrt, ist das Baby weg. Niemand will etwas bemerkt haben. Es beginnt eine öffentliche Suche, doch Rolf bleibt verschwunden. Wenige Monate später bricht der Zweite Weltkrieg aus, ein Teil der Hörnschemeyer-Akten verbrennt. Erst 1947 kommt wieder Bewegung in den Fall, als bei der Polizei ein anonymer Brief eingeht. Darin gesteht eine Frau, dass sie das Kind vor acht Jahren aus dem Kinderwagen gestohlen hat – weil sie kurz zuvor ihr eigenes verloren habe. "Ihr Kind lebt noch und ist bei mir in guter Obhut“, zitiert der Kölner Stadt-Anzeiger aus dem Schreiben. Die anonyme Absenderin verspricht, sie werde Rolf die Wahrheit sagen, sobald er 17 Jahre alt ist – „dann soll er selbst entscheiden, ob er wieder zu seiner Mutter zurückkehren oder bei mir bleiben will“. Ob die Frau die Wahrheit sagt, ob sie das Kind wirklich gestohlen und ihr Versprechen gehalten hat, wird nie geklärt, denn Rolf bleibt verschollen.

Das Rätselraten um den Fall hält an. Im Sommer 2019 meldet sich die jüngere Schwester von Rolf zu Wort und liefert neue Einblicke in das Familienleben der Hörnschemeyers. Es sind Einblicke, die Zweifel aufkommen lassen – Zweifel daran, wie genau es Berta Hörnschemeyer mit der Wahrheit nahm und ob sie wirklich die besorgte Mutter war, die sie vorgab zu sein. Kinder habe ihre Mutter nie gewollt, berichtet die Tochter Iris Hörnschemeyer dem Kölner Stadt-Anzeiger. Sie und ihr Bruder seien nach der Trennung der Eltern sofort ins Kinderheim gesteckt worden. Außerdem habe sie anhand von Briefen der Mutter herausgefunden, dass diese ihren Ehemann angelogen hatte – alle drei Kinder seien von einem anderen Mann, auch Rolf. Der Konfrontation durch die Tochter sei Berta Hörnschemeyer stets ausgewichen. "Das geht dich einen Scheißdreck an", habe sie immer gesagt. Selbst kurz vor ihrem Tod im Jahr 2014 habe sie sich geweigert, reinen Tisch zu machen.

Ein ganz anderes Bild zeichnet der Kölner Journalist Jürgen Frommholz. Er kannte Berta Hörnschemeyer und stellt sie als liebenswerte Frau dar: "Sie erzählte mir, dass sie zu Rolfs Geburtstagen immer einen Geburtstagstisch deckt", sagt der Journalist dem Express. Sie sei ein "Engel der Tiere" gewesen. Rolfs Mutter betrieb bis zu ihrem Tod ein Tierheim in Köln-Dünnwald. Damals habe sie bereits ihren Namen gewechselt und nannte sich nun Ulla Krudwig. Frommholz sagt: "Ich glaube, dass sie mit ihrer Hingabe für die Tiere die traumatischen Ereignisse um Rolf versucht hat, zu kompensieren. Sie war Tag und Nacht im Einsatz.“ Doch wer auch immer diese Frau wirklich war – fest steht: Das Verschwinden des kleinen Rolf bleibt ein großes Rätsel der Kölner Kriminalgeschichte.

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