Wie Kölner Clubs mit der großen Krise umgehen

© Club Bahnhof Ehrenfeld

Als digitales Stadtmagazin interessieren wir uns dafür, wie es den Läden in Köln gerade geht. Wir fragen uns: Wie gehen sie mit der Krise um, welche Hilfen kommen schon an und wie sieht im Moment ihr Blick in die Zukunft aus? Wir wollen daher einige Kölner*innen aus Gastro, Einzelhandel und Co. auf unserer Seite zu Wort kommen lassen.

In diesem Teil unserer Serie widmen wir uns den Kölner Clubs. Jakob, der Inhaber des Tsunami Clubs, Elias aus dem Veedel-Club-Team, Claudia, die den beliebten Studentenladen Das Ding leitet und Gabriel vom Club Bahnhof Ehrenfeld haben uns einen Einblick in ihr derzeitiges Leben gegeben, sie haben uns verraten, was sich für sie und ihre kleinen und größeren Läden durch die Krise verändert hat. Danke für eure Offenheit!

Elias vom Veedel Club

© Privat

Der Veedel Club gehört in der Clublandschaft immer noch ein bisschen zu den Neuheiten – schließlich ist er erst vor ein paar Jahren an der Luxemburger Straße eingezogen, wo vorher der Rose Club beheimatet war. Trotzdem hat er sich schon fest in unserer Clubplanung verankert und ist für viele zur Stammadresse geworden – mit einem Mix aus Hip Hop, R'n'b, den Radio Sabrosita-Partys, 80er-Hits und vielem mehr. Elias ist der Betriebsleiter im Veedel Club und hat uns ein paar Einblicke in die aktuelle Situation gewährt.

1. Wie geht es euch gerade?
Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Uns, dem Team vom Veedel Club, ist es besonders wichtig, dass die gesamte Crew positive Stimmung verbreitet und stets gut gelaunt ist. Deshalb versuchen wir, auch in der jetzigen Lage das Bestmögliche aus der Situation zu machen. Natürlich ist die Zukunft auch für uns erstmal ungewiss, da wir alle nicht wissen, wie es weitergeht. Dadurch entsteht natürlich auch eine gewisse Angst, da die gesamte Gastro-Szene noch nie vor einer Situation wie dieser stand. Momentan ist leider noch kein „Licht am Ende des Tunnels“, aber durch die vielen lieben Nachrichten und Zusprüche, die wir von Freunden und der Familie des Veedel Clubs erhalten, bleiben wir weiterhin positiv und optimistisch gestimmt.

2. Was hat sich für euch und euren Laden durch Corona verändert? Wie habt ihr reagiert?
Die Coronakrise hat für uns, genau wie für alle anderen auch, den gesamten Alltag auf den Kopf gestellt. Aktuell nutzen wir die Zeit, um Dinge zu erledigen, die sonst auf der Strecke geblieben sind. Mehr Infos dazu können unsere Veedel-Freunde bald auch auf unseren Social-Media-Kanälen sehen. Auch wenn wir gerade nicht unsere Türen für unsere Veedel-Freunde öffnen können, versuchen wir, die multikulturelle Vielfalt aufrecht zu erhalten und haben uns deshalb auch ein, zwei Ideen für die nahe Zukunft überlegt, wie z.B. den vierten Geburtstag des Veedel Clubs am 1. Mai.

3. Werdet ihr unterstützt und wie kann man euch supporten?
Aktuell merken wir immer mehr, dass unser Veedel weiter und weiter zusammenrückt. Sei es der Barber Shop oder die Kneipe nebenan – wir alle teilen die gleichen Sorgen und Ängste, da niemand von uns weiß, wie es weitergeht. Daher legen wir sehr viel Wert auf die Unterstützung von Freunden, der Familie oder unseren Nachbarn auf menschlicher Ebene.

4. Wie sieht im Moment eure Zukunftsprognose aus?
Natürlich können wir genauso wenig wie alle anderen sagen, wie es zukünftig ablaufen wird. Wir möchten an dieser Stelle keine Prognosen oder Philosophien aufstellen, da wir erstmal auf die neuen Abkommen nach dem 3. Mai warten möchten. Wir sind aber zuversichtlich, dass der Veedel Club auch nach der Coronakrise bestehen bleibt und wir euch hoffentlich weiterhin mit cooler Musik und einem multikulturellen Programm erfreuen können.

5. Was gibt euch Hoffnung und was wünscht ihr euch gerade?
Die verschiedenen positiv gestimmten Charaktere unseres Teams und auch die Zusprüche unserer Veedel-Freunde machen uns momentan sehr viel Hoffnung. Wir wünschen uns natürlich, dass so viele Leute wie nur möglich gesund bleiben und die schönen Veedel Kölns nach der Krise wieder mit neuem Leben erweckt werden.

Jakob vom Tsunami

© Christin Otto

Der Tsunami Club ist eine echte Institution in der Südstadt – hier wird am Wochenende gefeiert und getanzt, aber auch Konzerte aus dem Bereich Indie und Alternative finden in diesem Keller ihren Platz – normalerweise. Jetzt bleibt der Laden aber erstmal geschlossen, wie alle anderen Clubs in Köln auch. Inhaber Jakob hat uns einen Einblick gegeben, wie das Team versucht, den Tsunami Club durch die Krise zu bringen.

1. Wie geht es euch gerade?
Eher 3 minus.

2. Was hat sich für euch und euren Laden durch Corona verändert? Wie habt ihr reagiert?
Wir streamen ziemlich viel über Dringeblieben. Geld bringt das zwar nicht wirklich, aber so halten wir unseren Namen hoch und geben den Live-Musikern, die bei uns performen, eine professionelle Plattform. Außerdem hoffen wir natürlich, dass dadurch die Bekanntheit unserer Location steigt.

3. Werdet ihr unterstützt und wie kann man euch supporten?
Wir haben eine eigene Gutschein/Spenden-Aktion gestartet, an der sich auch einige andere Gastronomen beteiligt haben. Auf diese Weise haben wir für die Kölner Gastro-Szene schon über 25.000 Euro an Gutscheinen und Spenden gesammelt. Das war insbesondere für nicht technische Kollegen eine große Hilfe. Die haben einfach keinen Paypal-Account und auch keine eigene Infrastruktur, um sowas kurzfristig auf die Beine zu stellen. Daraus ist mittlerweile ein eigenes Produkt geworden, dass wir zukünftig der gesamten Gastro-Szene bereitstellen werden. Aber Details verrate ich an dieser Stelle noch nicht.

Bei der staatlichen Unterstützung herrscht eher Flaute. Die Soforthilfen sind bisher nicht angekommen, weil wir offenbar in dem Schwung vom ersten Wochenende gelandet sind, bei dem es zu Mehrfachbewilligungen durch technische Probleme kam. Jetzt hängen wir halt im manuell zu prüfenden Betrügertopf fest. Mal sehen, wie das weitergeht. Helfen kann man uns durch Spenden und Gutschein-Käufe.

4. Wie sieht im Moment eure Zukunftsprognose aus?
Wir werden vor September nicht wieder öffnen, selbst wenn wir dürfen. In der Clubszene gibt es ein recht tiefes Sommerloch zwischen Mai und August. Die Rücklagen dafür bilden wir üblicherweise im Frühling. Würden wir also im Juni wieder öffnen, würden sich die Verluste nur noch vergrößern.

5. Was gibt euch Hoffnung und was wünscht ihr euch gerade?
Die Situation ist unangenehm, aber nicht hoffnungslos. Uns wird es nach der Krise auch noch geben – genauso wie das Café Storch. Vielleicht ist der Gastro-Markt nach Corona ein bisschen aufgeräumter. Es gibt einfach wahnsinnig viele Wettbewerbsverzerrungen durch Schwarzarbeit und Steuerhinterziehung. Da macht sich die Gastro-Szene gerade selbst viel vor. Halb Köln verkauft an Karneval schwarz gekauftes Kölsch für 2,50 Euro die 0,2er-Stange an der Steuer vorbei und ruft dann nach Staatshilfe. Insofern hoffen wir hier vor allem auf ein faireres Miteinander unter den Kollegen.

Claudia vom Das Ding

© Claudia Wecker

Das Ding am Zülpicher Platz ist aus dem Kölner Nacht- und Studentenleben nicht wegzudenken – schließlich werden hier schon seit 52 Jahren wilde Partys gefeiert. Das Ding lockt mit einem Mix aus Charts und Hits der letzten Jahrzehnte, aber vor allem auch mit Freibier, günstigen Drinks und immer ordentlicher Partylaune. Nachdem Generationen von Studenten hier ein- und ausgingen, müssen die Türen jetzt auf einmal geschlossen bleiben. Wie das Team mit dieser schwierigen Situation umgeht, hat uns Inhaberin Claudia verraten.

1. Wie geht es euch gerade?
Den Umständen entsprechend gut, so oder so ähnlich antwortet wohl fast jeder. Und wahrscheinlich auch, dass es sich anfühlt, als wäre man vom Blitz getroffen worden. Von jetzt auf gleich hat sich das Leben komplett verändert und ich denke, jeder ist einfach nur verunsichert, was die Zukunft bringt und wie sehr sich die Welt verändern wird. Seit 52 Jahren ist Das Ding ein gut laufender Laden, in dem Generationen und Nationen gefeiert haben und der mit viel Herzblut geführt wird und dann, zack, von heute auf morgen Shutdown.

2. Was hat sich für euch und euren Laden durch Corona verändert? Wie habt ihr reagiert?
Einfach alles hat sich verändert! Wir haben ja einen kompletten Shutdown und haben ganz schnell reagiert: Kurzarbeit angemeldet für unsere Festangestellten, Soforthilfe beantragt, Kosten gesenkt. Das hat auch ziemlich gut geklappt. Und nun ist Das Ding nach fast 52 Jahren einfach geschlossen. Von jetzt auf gleich und ohne Perspektive, wann wir wieder öffnen dürfen. Unsere Aushilfen haben wir gefragt, wer im Falle einer Entlassung in finanzielle Nöte gerät und inwieweit und wie lange wir helfen können. Wir waren überwältigt von der Loyalität unserer Mitarbeiter! Und wir hoffen, jeden einzelnen wieder beschäftigen zu können, wenn wir wieder öffnen dürfen.

3. Werdet ihr unterstützt und wie kann man euch supporten?
Auf Spenden und Gutscheinaktionen haben wir erst mal verzichtet. Wir haben überlegt, dass es andere, vor allem kleinere Betriebe, auch knüppelhart trifft und dass diese Spenden usw. erst einmal sehr viel nötiger haben. Da wollten wir sozial sein und den kleinen Läden erst mal nichts wegnehmen. Ein paar hundert Euro machen sicher für eine kleine Eckkneipe einen sehr großen Unterschied, wenn es ums Überleben geht. Bei der Größe unseres Betriebes ist das leider ein Tropfen auf den heißen Stein. Und ich hoffe, dass viele kleinere Läden mit Spenden und Gutscheinen über die Runden kommen.

4. Wie sieht im Moment eure Zukunftsprognose aus?
Ehrlich, wir haben keine Ahnung. Wir hoffen natürlich, dass die Pandemie bald eingedämmt werden kann und ein normales Leben wieder möglich ist. Im Clubbereich kann man zwar Hygiene-Sachen verbessern, z.B. Gläser nur einmal am Abend benutzen oder Desinfektionsmittel bereitstellen usw. Aber mal ehrlich: Mit Abstand und Mundschutz, nein das wird nicht funktionieren. Wir sind eine Begegnungsstätte. Es werden einige Branchen vor uns merken, dass solche Regeln einfach nicht zu befolgen sind. Auch in Restaurants und Kneipen wird es ansonsten sehr schwer werden und die Bevölkerung wird das sicher auch nicht einfach so mitmachen. Also können wir nur darauf hoffen, dass das Virus wirklich besiegt wird und unser aller Zukunft nicht aus Social Distancing und Mundschutz bestehen wird.

5. Was gibt euch Hoffnung und was wünscht ihr euch gerade?
Wir wünschen uns sicher alle so ziemlich dasselbe: Dass die Datenlage zur Pandemie es der Politik bald ermöglicht, für Planungssicherheit zu sorgen. Was wir alle dringend brauchen, ist ein Fahrplan. Dabei geht es nicht um ein fixes Datum, sondern eher um eine zeitliche Perspektive. Und vor allem, mit welchen Auflagen. Das trifft sicher nicht nur auf die Gastronomie zu. Durch die jetzigen vorsichtigen Lockerungen entstehen sicher schnell Lerneffekte, wie man mit Auflagen umgehen kann und welche die Menschen akzeptieren und welche für die Branchen überhaupt umsetzbar sind. Wie gesagt: Im Club mit Social Distancing und Mundschutz – das geht einfach nicht. Wir rechnen also eher damit, dass wir die letzten sind, die wieder aufmachen dürfen und dann ist die Krankheit hoffentlich besiegt, sodass solche Auflagen nicht mehr nötig sein werden. Was gibt uns Hoffnung? Dass wir momentan noch nicht vor der Insolvenz stehen und noch ein wenig durchhalten können. Und die unglaubliche Solidarität, die man von allen Seiten erfährt. Das ist eine tolle Entwicklung in unserer Gesellschaft und das allein macht doch Mut, oder?

Gabriel vom Club Bahnhof Ehrenfeld

© Club Bahnhof Ehrenfeld

Der Club Bahnhof Ehrenfeld ist nicht nur in Sachen Party bei den Kölnern beliebt – normalerweise finden hier auch regelmäßig Konzerte statt. Beides ist jetzt erstmal nicht mehr möglich. Das Team vom CBE hat schnell reagiert und versucht alles Mögliche, um den Club und auch einen Teil der Kölner Kultur zu retten. Einen Teil des normalen Betriebs haben sie kurzerhand ins Internet verlagert und streamen fleißig als Teil des Cologne Culture Stream. Gabriel hat uns berichtet, wie die Stimmung gerade ist und wie es trotz Corona weitergehen soll.

1. Wie geht es euch gerade?
Uns geht es den Umständen entsprechend gut. Irgendwie haben wir trotz der Schließung  des Betriebes eine ganze Menge zu tun, aber natürlich suchen wir auch Beschäftigung und Aufgaben. Wir haben Video Calls mit unserem Team, damit die Sehnsucht nicht zu groß wird und sehen zu, dass wir in Zusammenarbeit mit dem Cologne Culture Stream auch regelmäßig Konzerte, DJ-Sets und andere tolle Dinge aus unserem Club streamen.

2. Was hat sich für euch und euren Laden durch Corona verändert? Wie habt ihr reagiert?
Nun, von einem Tag auf den anderen haben wir unseren Club geschlossen und nicht zuletzt dadurch war auf einmal alles anders. Wir waren ja als Kulturstätte wie auch die anderen Clubs und Versammlungsstätten mit die ersten, die schließen mussten. Wir haben versucht, so schnell wie möglich die staatlich und lokal angebotenen Hilfen zu nutzen und sind auch direkt in Zusammenarbeit mit anderen Clubs unter der Ägide der KlubKomm dazu übergegangen, unsere Kultur per Stream in die Welt zu bringen im Cologne Culture Stream.

3. Werdet ihr unterstützt und wie kann man euch supporten?
Wir haben die bekannten Hilfen bekommen und auch das großartige Hilfspaket der Stadt beantragt, die hier wirklich beispielhaft reagiert hat und unter anderem Dank Frau Reker gezeigt hat, wie es gehen kann. Wir haben auch auf unserer Webseite einen Supportershop eingerichtet, auf dem man uns unterstützen kann. Natürlich sind wir auch bei tollen Projekten wie den Veedelsrettern oder der Soli-Aktion von Pressure&Ink dabei.

4. Wie sieht im Moment eure Zukunftsprognose aus?
Wir erwarten nach den Ansagen der Kanzlerin nicht, dass es in den nächsten Wochen weitergeht, sondern stellen uns gerade auf eine etwas längere Auszeit ein. Generell machen wir uns schon Gedanken, wie die Zukunft und vor allem auch wie die Kölner Clublandschaft nach der Krise aussieht. Sie wird sicher nicht mehr dieselbe sein – wenn das noch mehrere Monate so weiter geht, ist auch für uns ist nicht klar, ob wir das überleben.

5. Was gibt euch Hoffnung und was wünscht ihr euch gerade?
Wir wünschen uns, dass die Solidarität der Menschen so stark bleibt, wie sie ist. Das gibt uns auch Hoffnung. Auch, dass die Bundesregierung so schnell und gut reagiert hat bisher, freut uns.

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