Das Köln ABC: Y wie Yitzhak-Rabin-Platz

© Nicola Dreksler

Köln ist wunderbar – und manchmal auch ein bisschen nervig. Wir lieben den Rhein, Karneval, Kölsch und unser Herz schlägt höher, wenn wir den Dom sehen. Wenn genau diese Sachen dich an Köln verzaubern und du gleichzeitig über die KVB fluchst und dich der Stau auf den Ringen zur Weißglut treibt, bist du hier genau richtig. In unserem Köln-ABC gibt es Köln von A bis Z, von vorne bis hinten und mit allem, was dazu gehört – egal, ob wir es nun gerade feiern oder verfluchen.

Viele von euch runzeln vielleicht gerade die Stirn und fragen sich, wo dieser ominöse Yitzhak-Rabin-Platz in Köln denn zu finden sein soll – wir sind uns aber trotzdem sicher, dass die meisten von euch zumindest schon mal an diesem Platz vorbeigekommen sind. Er befindet sich nämlich auf direktem Weg zwischen Zülpicher Platz und Rudolfplatz, direkt hinter dem „Who the Fred is fuck“-Kiosk. Na, klingelt’s? Bänke und Pflanzen laden an diesem Platz dazu ein, öffentlich zusammen zu kommen, ein Picknick zu machen oder ein Kölsch zu trinken – natürlich nur, wenn nicht gerade Social Distancing angesagt ist.

© Nicola Dreksler

Die Geschichte von Yitzhak Rabin

Das Besondere am Yitzhak-Rabin-Platz ist aber nicht, dass es an einem Kölner Platz ausnahmsweise mal schöne Sitzgelegenheiten gibt, sondern vor allem sein Namensgeber – und falls ihr dessen Geschichte nicht kennen solltet, nehmen wir euch mit auf einen kleinen Abstecher ins letzte Jahrhundert: Yitzhak Rabin, 1922 in Jerusalem geboren, war eine der einflussreichsten Persönlichkeiten Israels.

Jahrelang setzte er sich – auch als Ministerpräsident Isreals – für den Frieden im Nahen Osten ein, führte Verhandlungen und bekam 1994 zusammen mit Außenminister Shimon Peres und Palästinenserführer Yassir Arafat sogar den Friedensnobelpreis verliehen. 1995 nahm sein Leben ein tragisches Ende: Während einer Friedenskundgebung in Tel Aviv wurde er von einem jüdischen Extremisten erschossen – und auch die Friedensverhandlungen kamen durch seinen plötzlichen Tod zum Erliegen.

In Köln – und in vielen anderen Städten – wurden in den 90er Jahren Plätze nach Yitzhak Rabin benannt, um an ihn und sein Lebenswerk zu erinnern. 1996 wurde der Platz, der sich übrigens auch in der Nähe der Synagoge befindet, schließlich eingeweiht – auch Rabins Frau Leah war damals in Köln. So richtig etablieren konnte sich der Platz als neues Veedelsquartier aber nicht. Und schon ein paar Jahre später sah der Platz – wie manch anderer in Köln – eher ausladend als einladend aus.

© Nicola Dreksler

Ein zweiter Versuch für den Yitzhak-Rabin-Platz

2017 gab es dann einen zweiten Anlauf: Die Stadt Köln startete zusammen mit der RheinEnergie einen Künstlerwettbewerb, bei dem neue Ideen für den Yitzhak-Rabin-Platz entstehen sollten. Als Gewinner ging das Berliner Büro „ateliers le balto“ hervor – und ein Jahr später war deren Ergebnis dann auch zu sehen. Um die Bäume herum sind kleine, eingezäunte Gärten entstanden, es grünt und blüht im Sommer wieder auf dem Platz und in der Mitte laden mehrere Holztische und -bänke zum Verweilen ein. 

Statt auf einer Mauer, mal an einem richtigen Tisch unter freiem Himmel zu sitzen, ist für uns Kölner*innen schon eine spannende Erfahrung.

Damit wurde der Yitzhak-Rabin-Platz zu einem kleinen Juwel im Kwartier Latäng – obwohl viele Kölner*innen wohl gar nicht auf dem Schirm haben, dass er existiert. Wer möchte, kann hier aber kleine Geburtstagsfeiern veranstalten, sich mit Freund*innen und Nachbar*innen an einem sonnigen Nachmittag verabreden oder an der langen Tafel gleich ganz neue Leute kennenlernen. Und seien wir mal ehrlich – statt auf einer Mauer, mal an einem richtigen Tisch unter freiem Himmel zu sitzen, ist für uns Kölner*innen schon eine spannende Erfahrung. 

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