Köln hakt nach: Wieso heißt der Kellner im Brauhaus eigentlich Köbes?

© Gaffel

"Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt, bleibt dumm!" Sesamstraßen-Fans haben diese Lebensweisheit längst verinnerlicht. Trotzdem traut man sich bei der ein oder anderen Frage nicht, sie zu stellen. Weil sie zu banal erscheint – oder man schlichtweg nicht weiß, wer die Antwort kennen könnte. Hier kommen wir ins Spiel, denn wir haken für euch nach. Schließlich begegnen uns in Köln immer wieder kuriose Dinge, die uns staunend oder fragend zurücklassen. Geht euch genauso? Dann schickt uns eure Fragen – wir beantworten sie oder suchen schlaue Menschen, die das können.

Wieso sagen wir Köbes – und nicht Kellner?

Die Kölner*innen sind echte rheinische Frohnaturen – und vor allem für ihre entspannte, herzliche und offene Art bekannt. Wer als Nicht-Kölner*in ahnungslos in ein Kölner Brauhaus marschiert, könnte deshalb von der direkten und manchmal etwas forschen Art der Köbesse zunächst etwas irritiert sein – dabei meinen die es doch gar nicht böse. Vermutlich würde diese ahnungslose Person sich aber nicht nur über das ungefragt nachgefüllte Bier und die eigentümliche Kommunikation im Brauhaus wundern, sondern überhaupt nicht wissen, dass sie es hier mit einem Köbes zu tun hat. Anderswo heißen sie schließlich einfach nur Kellner. 

Aber ein Köbes ist nicht einfach nur ein Kellner: Neben seinem traditionellen Outfit (mit blauer Weste, Leinenschürze und Ledertasche) hat der Köbes eben auch einen ganz besonderen Namen.

© Carolin Franz

Aber wieso ist das so? Dazu gibt es verschiedene Ideen und Geschichten – von denen keine bisher so hundertprozentig verifiziert werden konnte. Eine bekannte Herleitung ist aber diese: Die Köbesse waren Pilger, die vor oder nach ihrer Reise über den Jakobsweg nach Santiago de Compostela in Köln ankamen und sich ihr Reisegeld verdienen mussten. Viele fanden einen Job in den Kölner Brauhäusern und erzählten den Gästen dort von ihren langen Reisen über den Jakobsweg. Genau der war dann auch Grund für den Namen – Köbes leitet sich im Kölschen nämlich von Jakob ab.

Damit aber nicht genug: Eine andere Anekdote erzählt von einem Brauhausgesellen namens Jakob Fischer, der im Mittelalter bei einem Alt-Kölsch-Wetttrinken gewann und so zum Namensgeber für die Köbesse wurde. Möglich ist aber auch, dass sich schon früh eine Nebenbedeutung des Wortes Köbes etabliert hatte – nämlich ein „eigensinniger, kantiger oder vierschrötiger Mensch“.

Wie das mit Sprache eben so ist, ist die genaue Herkunft und Entstehung eines Wortes manchmal gar nicht so leicht zu ermitteln. Fest steht aber: Die Köbesse versorgen uns schon seit langer Zeit mit Kölsch und dafür gebührt ihnen wohl unsere ewige Dankbarkeit. Übrigens: Neben dem Köbes, der das Kölsch unters Volk bringt, gibt es im Brauhaus auch den Zappes. Das ist derjenige, der am Zapfhahn steht und die Kränze in Windeseile mit Kölsch befüllt. Und auch eine weibliche Version vom Köbes gibt es natürlich – auch wenn man die in den Brauhäusern nur vereinzelt antrifft: die Köbine.

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