Insektenprotein von „isaac nutrition“ als Superfood der Zukunft

© Sebastian Berndt

Würmer essen kennt man sonst nur aus Horrorfilmen. Das Kölner Startup „isaac nutrition“ mahlt die Weichtiere zu einem Pulver und bringt sie so als Superfood und Proteinshakes für Sportler in Fitnessstudios, WGs und Küchen von Experimentierfreudigen. Damit bietet das junge Unternehmen eine nachhaltige Alternative zu anderen tierischen Proteinquellen für Sportlernahrung, denn bei der Aufzucht brauchen Würmer deutlich weniger Platz und Ressourcen als gängige Nutztiere, wie Schweine oder Rinder.

Vor zwei Jahren hat Charlotte Binder mit ihrem Freund Tim Dapprich „isaac nutrition“ gegründet. Damals waren die beiden gerade fertig mit der Uni. Tim machte schon immer viel Sport. Um Muskeln aufzubauen, trank er nach dem Training Proteinshakes. Aber irgendwann stellte er fest, dass er die Proteine auf Molkebasis, die er nahm, nicht mehr gut vertrug. „Ich war ständig aufgebläht und hatte Hautprobleme, erinnert er sich. Damals begann Tim, nach einer Alternative zu suchen. „Aber wir haben einfach kein gleichwertiges Produkt gefunden, erzählt Charlotte.

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Sie ging nach dem Bachelor auf Reisen durch Asien. Und dort fand sie immer wieder Insekten auf der Speisekarte. Als sie zurück nach Deutschland kehrte, entwickelten die beiden zusammen ihre Idee: Sie wollten Insekten als Nahrungsmittel nach Europa bringen.

Am Anfang war allerdings nicht klar, ob die Jungunternehmer ihr Produkt so schnell verkaufen können, denn 2017 waren Insekten in der EU nicht als Lebensmittel erlaubt. Erst seit Anfang 2018 fallen sie unter die EU-Verordnung für neuartige Nahrungsmittel und dürfen auch bei uns als solche verkauft werden. Zusammen mit der Fachhochschule Münster entwickelten die Studierenden also ihre Produkte und boten sie in einem eigenen Online-Shop an.

Aber wie finanziert man so eine Unternehmensgründung als Anfang Zwanzigjährige? Die Forschung, Produktentwicklung und dann das Marketing waren sehr kostenintensiv. Möglich war die Gründung eines eigenen Unternehmens durch ein Stipendium des Wirtschaftsministeriums. Das Programm „Exist“ unterstützt junge Innovative mit einem Startkapital und Geld für den monatlichen Lebensunterhalt.

Vom Insekt zum Mehl

Mittlerweile haben die Kölner Jungunternehmer aber auch einen großen Investor mit an Bord: Nils Glagau, bekannt als Juror aus der „Höhle des Löwen, und Inhaber eines der führenden Unternehmen für Nahrungsergänzungsmittel in Deutschland, Orthomol. Auch er glaubt an die ökologischen und nährstofflichen Vorzüge der Insekten.

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Und natürlich weiß Glagau auch um das wirtschaftliche Potenzial von Insekten als Nahrungsmittel. Vom Schlüpfen der Würmer bis hin zum fertigen Produkt Insektenmehl dauert es nur 30 Tage. In den ersten 28 davon werden die Insekten aufgezogen. Danach ist kein Schlachter, sondern nur eine Kühlkammer nötig. Darin werden die wechselwarmen Tiere langsam heruntergekühlt und fallen in eine Art ewige Winterstarre. Nun können sie gemahlen werden. Das ist nicht nur günstig, sondern auch nachhaltig. Denn für die Zucht wird weder viel Platz noch werden viele Ressourcen benötigt.

Das Insektenprodukt überzeugt die Kunden

Der Geschmack des Mehls erinnert an Nüsse. In Backwaren oder im Frühstücksporridge verarbeitet, schmeckt man die Insekten nicht mehr heraus. Auch deswegen sind die Produkte bei ihren Kunden so beliebt. Das Insektenprodukt überzeugt. Schwarze Zahlen schreiben die jungen Gründer zwar bisher noch nicht, aber die Tendenz für die nächsten Jahre sehe gut aus, sagen sie. Und Charlotte ist sich sicher, dass sie alles nochmal so machen würde. Auch wenn es „viel Arbeit und oft anstrengend“ ist, ein Startup aufzuziehen. 

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Auch heute arbeitet das kleine Team um Charlotte noch „überdurchschnittlich viel, sagt sie. Als Selbstständige neige man dazu, nie Feierabend zu machen. Vor allem wenn einem das, was man macht, am Herzen liegt. Am Wochenende waren die drei unterwegs auf einer Messe. Am Montag sitzen sie alle wieder in ihrem Büro im Belgischen Viertel. Zu tun gibt es genug.

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